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(c) Claudia Heyse

Massenet-Soufflé: Massenets „Esclarmonde“

Dessau, Anhaltisches Theater

Die Belle époque – Sehnsuchts-Epoche jedes Paris-Touristen – erfand nicht nur den Eiffelturm, Glanz und Elend der Kokotten und eine Schwäche für Sahne-Baisers. Auch die Vorliebe für Saison-Chic, für Talmi, Strass und falschen Flitter kam damals in die Welt. Perfekter musikalischer Ausdruck dieser Lust am Neuen war der heute als „Modekomponist“ bespöttelte Jules Massenet.
Dass sein Hauptwerk „Esclarmonde“ (1889) so lange auf eine deutsche Erstaufführung warten musste, sagt etwas über die Verschmälerung unseres Repertoires. Auch Werke wie „Le Cid“, „Hérodiade“, „Cléopatre“ oder „Chérubin“ haben in Wirklichkeit ihr Verfallsdatum nicht erreicht – und könnten einmal wieder zum dernier cri einer Hauptstadt- Saison erklärt werden. Nun ist es das Anhaltische Theater Dessau, das sich einer Aufgabe annimmt, die eigentlich Berlin anstünde.
Die Dessauer Ensemble-Diva Angelina Ruzzafante – ein Name, den man nicht erfinden kann – betört als unkeusche Zauberin im Fantasy-Mittelalter Massenets. Nicht nur der schwarze Ritter Roland (mit großartigen Reserven: Sung Kyu Park) zieht für sie in den Kampf. Auch das Publikum verfällt den byzantinischen Beschwörungskünsten. Immerhin: In der Schallplattengeschichte zeigte sich der Titelrolle bislang nur Joan Sutherland gewachsen. Daniel Carlberg am Pult der Anhaltischen Philharmonie bäckt, belüftet und beduftet Massenets Kirsch-Soufflé. Eine Aufführung, die scharenweise Publikum aus Berlin und Wien anlockte.
Sie platziert eine preiswürdige Ohrfeige im Gesicht jener Sparpolitiker in Sachsen- Anhalt, die soeben dem 1100 Plätze-Haus die Beine weghauen wollen. Durch eine geplante Kahlschlag-Aktion sollen dem Theater die Subventionen zusammengestrichen werden. Wodurch das Haus handlungsunfähig würde, während nicht einmal 3 Millionen Euro gespart würden. Ausgrabungen wie diese, welche Theatertraditionen neu beleben, wären ein für alle Mal perdu. Sagen wir es deutlich: Dessau gelingt mit „Esclarmonde“ der Fund des Jahres. Bitte weiter so!

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 4 / 2013



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