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Fanfare

Die Salzburger Festspiele 2013 – das war diesmal vor allem viel Lärm um wenig. Da rauschte es vorab gewaltig im Blätterwald, denn der vorfristige Abgang von Intendant Alexander Pereira war kein schöner. Obwohl Österreicher, überforderte er die Provinzstadt, wo jeder mitreden und mitregieren will, gleich mehrfach. Seine Risikoplanung mit dramatisch gesteigerten Vorstellungszahlen, wo sich erst am Ende zeigt, ob man ausgeglichen budgetiert hat, ist die eine Sache. Sein autokratischer Führungsstil, der vor allem die das Repräsentieren gewohnte Präsidentin Helga Rabl-Stadler verstimmte, eine andere.
Pereira also verabschiedet sich bereits nach drei Spielzeiten an die Mailänder Scala, die er schon im Herbst 2014 übernimmt, dann gibt es zwei Jahre als Übergangs-Duo Rabl-Stadler und den bisherigen Schauspielchef Sven-Eric Bechtolf – und dann wollen alle Markus Hinterhäuser, den Intendanten von 2011, der in Salzburg mit allen, die wichtig sind, verwandt oder zumindest gut bekannt ist. So eben geht Kleinstadtpolitik. Und dann verlangen auch noch die Wiener Philharmoniker Mitspracherecht bei der Intendantenfindung und drohen mal wieder mit dem sommerlichen Abgang nach Fernost. Sollen sie doch, kann man nur sagen. Mit Ausnahme ihrer Orchesterkonzerte sind sie durchaus ersetzbar. Und wahrscheinlich sogar zu günstigeren Preisen.
Und was hatte dagegen die Kunst auszurichten? Erstaunlich wenig. 12 Opern waren angesetzt, vier davon konzertant, eine „Entführung“ als einmaliges TV-Event im Hangar Sieben von „Red Bull“-Milliardär Dietrich Mateschitz und zwei Übernahmen: Mozarts elegisch-retrospektiver „Lucio Silla“ von der Mozart-Woche mit Rolando Villazón und Cecilia Bartolis grandiose One-Woman-Show „Norma“ von Pfingsten.
Ohne Szene gab es in einem kleinen, gemeinsam mit dem Schauspiel veranstalteten „Johanna von Orleans“-Zyklus Walter Braunfels’ „Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna“. Wunderbar überzeugend dirigiert von Manfred Honeck, souverän anrührend gestaltet von Juliane Banse und einem hervorragenden Ensemble. Das hätte man viel lieber szenisch gesehen, als den dröge zum Joseph- Beuys-Doppelgänger aufgemotzten Ritter „Gawain“ von Harrison Birtwistle. Es hat schon seine Gründe, dass diese schleppende König-Arthus-Variante seit 1991 nirgendwo nachgespielt wurde. Da konnte auch das „Soldaten“-Winning Team vom letzten Sommer, Ingo Metzmacher und Alvis Hermanis, nichts retten.
Ebenfalls konzertant gab es Verdis siebte und eine seiner schwächsten Opern, „Giovanna d’Arco“, freilich nobilitiert durch den unermüdlichen Plácido Domingo und eine hinreißende Anna Netrebko auf der Durchgangsstation zu schwereren Verdi- Partien.
Zum 200. Wagner-Geburtstag gab es zudem, erstmals seit 1938, „Die Meistersinger“, von Regiespielernatur Stefan Herheim freilich verharmlosend biedermeierlich, wenn auch virtuos plattgemacht mit Sängern als vokalen Zwergen zwischen Riesenmöbeln. Daniele Gatti dirigierte konfus, Michael Volle konnte sich als Hans Sachs nicht wirklich durchsetzen.
Selbst der gala-glamouröse „Don Carlo“ blieb hinter den hochgespannten Erwartungen zurück. Natürlich sind Anja Harteros und Jonas Kaufmann ein wunderfeines Liebespaar, aber mit Matti Salminen, Thomas Hampson und Robert Lloyd war auch ein Aufstand der zu alten Opernmänner zu erleben. Ganz zu schweigen von Peter Steins hölzernen Regie in wie laubgesägten Kulissen. Groß und öde war das über weite Strecken, zum Glück wurde es befeuert von Antonio Pappano am Pult der Wiener Philharmoniker.

Roland Mackes, RONDO Ausgabe 4 / 2013



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