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Brucknerfest Linz

Update für die Riesenbirne

Schon seit 1974 feiert Linz seinen Ehrenbürger Anton Bruckner mit einem Festival, das seit diesem Jahr einen neuen Leiter hat.

Großereignisse werfen bekanntermaßen ihre Schatten voraus. Und seit 1979 sorgt dafür beim Brucknerfest im oberösterreichischen Linz eine riesige Klangwolke. Vor dem offiziellen Eröffnungstusch strömen dann Menschenmassen bei einsetzender Dämmerung in den Donaupark, um nicht nur ihre Hälse in den von Laserprojektionen und Feuerwerksraketen illuminierten Nachthimmel zu recken. Parallel erklingen multimedial inszenierte Auftragswerke von oftmals heimischen Komponisten. Auch für die diesjährige „Visualisierte Klangwolke“ hat man mit DJ Parov Stelar alias Marcus Füreder ein Linzer Klangpionieroriginal eingeladen. Und bei seinem szenisch umgesetzten Bruckner- Remix soll am 7. September gar Open-Air das größte Handyorchester der Welt auftreten: Über eine Klangwolke-App kann jeder Besucher die beiden berühmten Eröffnungstöne von Bruckners 4. Sinfonie auf seinem Mobil- Telefon erklingen lassen.
Auch mit solchen 2.0.-Aktionen will Hans- Joachim Frey ab sofort ein Festival updaten, das in den letzten Jahren etwas an Strahlkraft verloren hatte. Zwar konnte man bisher in der Stadt, in der Anton Bruckner einst den Grundstein zu seinem Werk als Sinfoniker und Kirchenmusikkomponist legte, stets international renommierte Interpreten erleben. Dennoch hat das Brucknerfest seit seiner ersten Ausgabe 1974 nie das überregionale Renommee erlangt, das die Nachbarn in Salzburg und Wien mit ihren Festspielen und Festwochen besitzen. Mit dem neuen künstlerischen Leiter Frey, der zuvor die Dresdner Semperoper und die Theater in Bremen geleitet hat, soll daher das Profil des Festivals nicht nur geschärft, sondern auch breiter aufgestellt werden. „Es gibt diese Ressourcen, die nach dem Erfolg mit der Kulturhauptstadt ausgebaut werden müssen“, so Frey gegenüber der Tageszeitung „Der Standard“.
Die 1,2 Millionen Euro, die dafür gerade mal zur Verfügung stehen sollen, sind im Vergleich zu Salzburg (60 Millionen) und Wien (knapp 14 Millionen) geradezu Peanuts. Trotzdem musste das dreiwöchige Fest rund um den Namenspatron, der wegen seiner gedrungenen Statur einst als „zweibeinige Riesenbirne“ verspottet wurde, nicht auf Diät gesetzt werden. So gastieren auch 2013 neben Star-Solisten wie Denis Matsuev wieder Top- Philharmoniker aus Wien (Lorin Maazel) und München (Semyon Bychkov). Freys Idee, aus dem Bruckner- ein Mehr-Sparten-Fest zu machen, hat schon jetzt konkrete Züge bekommen. Und dafür bespielt man nicht mehr allein das Brucknerhaus. So wird in der alternativen Tabakfabrik Franz Schrekers Oper „Der Schatzgräber“ inszeniert und eine Oper des Linzer Komponisten Peter Androsch uraufgeführt. Und in dem erst in diesem Jahr eröffneten Musiktheater erlebt ein John Cage-Abend in der Regie von Achim Freyer seine Weltpremiere. „Anton Bruckner hat Impulse empfangen und ausgesendet“, so Frey. „Auch das neue Brucknerfest soll in den kommenden Jahren überall hin seine Impulse senden.“ Die Mischung aus traditionellem Konzertangebot, Bruckner-Apps und Neuer Musik scheint dafür durchaus geeignet.


www.brucknerfest.at


Guido Fischer, RONDO Ausgabe 4 / 2013



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