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Testklang

Klein, aber Premium

Diese Premiere zählt doppelt. Das Berliner Label Testklang feiert sein Debüt mit der ersten CD-Veröffentlichung einer US-amerikanischen Komponistin, die den meisten nur bekannt war als Schülerin von Morton Feldman und als Widmungsträgerin seines berühmten Klavierwerks „For Bunita Marcus“.

Diese Premiere zählt doppelt. Das Berliner
Label Testklang feiert sein Debüt mit der ersten CD-Veröffentlichung einer US-amerikanischen Komponistin, die den meisten nur bekannt war als Schülerin von Morton Feldman und als Widmungsträgerin seines berühmten Klavierwerks „For Bunita Marcus“. Der Ruf, selbst eine exzellente Komponistin zu sein, eilte Marcus seit drei Jahrzehnten voraus – jetzt kann er endlich verifiziert werden. Und ja, es stimmt. Bunita Marcus bietet uns eine handgemachte Musik, die sich nicht auf die Automatik von Systemen verlässt, sondern den Sinnen traut. Auf dem Papier schauen diese Werke dürftig aus: wenige Töne, viele Wiederholungen. Alles liegt auf der Oberfläche. Gerade das aber ist das Faszinierende. Denn auf der fast völlig planen Oberfläche ihrer Musik kann Marcus das Gewicht der Klänge und das Maß ihrer Veränderung peinlich genau abwägen. Klänge sind für sie Klänge, keine Metaphern. Wie sie aufeinander folgen und zueinander stehen, entscheidet Marcus von Fall zu Fall. Subjektiv würde man das nennen, würde das Ergebnis nicht so zwingend und richtig klingen.
Einen besseren Start hätte Testklang sich und seinen Hörern kaum spendieren können. Bewusst will man gegen den Strom schwimmen. Der Ansicht, dass die Zukunft der Klassischen Musik ein großer Download sei und ein einziges Streaming, setzt Testklang selbstbewusst den Sexappeal des Objekts entgegen. Die zweite Veröffentlichung bestätigt den Ehrgeiz: Wiederum in einer schicken großen Klappbox findet man neben einer audiophilen CD und einem umfangreichen Booklet eine DVD mit Doku-Material im Stile von „The Making Of“, sowie einen sehr intensiven Kurzfilm des Regisseurs Aron Kitzig. Im Mittelpunkt die jeweilige Hauptfigur der Box: hier Bunita Marcus, die tat-sächlich selbst auftritt, dort „Pierrot lunaire“. Denn um ihn dreht sich Testklang Nummer 2. Schönbergs wegweisendem Liederzyklus stellen die Testklängler zwei Versionen des
formal offen konzipierten „Tracking Pierrot“
von Earle Brown gegenüber, außerdem fünf
Pierrot-Lieder vom Schönberg-Schüler Hanns
Eisler und die Erstaufnahme eines „Pierrot
lunaire“ des längst vergessenen Max Kowalski,
in einer starken kompositorischen Bearbeitung
von Johannes Schöllhorn.
Mag man den Schönberg in der Aufnahme durch das Ensemble 29,46o S, 62,7o O auch tontechnisch überdesigned finden und Sopranistin Sarah Maria Sun wenig textverständlich, so überwiegt doch Respekt und Begeisterung für den Mut des jungen Labels. Organisiert als Genossenschaft, traut der Branchenzwerg Testklang sich und seinen
Hörern eine Qualität und Originalität zu, vor
der die meisten Großen erschrocken das Handtuch
werfen.

Bunita Marcus

Sugar Cubes

Ensemble Adapter

Testklang

Raoul Mörchen, RONDO Ausgabe 2 / 2013



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