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Emanuel Schulz

Ein Stück Musik für Platin-Card-Besitzer

Im Wiener Luxushotel Imperial sitzt in der Bar ein Mann am Klavier. Ein anderer Musiker hat seinen Arbeitsplatz einige Etagen höher in einer Premium-Suite. Dort empfängt der Haus- und Hotel- Komponist Emanuel Schulz die Gäste, um ihren Typ und Charakter in einem kleinen Musikstück zu verewigen. Diese musikalische Seelenanalyse hat aber einen sehr stolzen Preis, wie Guido Fischer herausgefunden hat.

73 Millionen Euro – das ist die Schnäppchensumme, die man laut des Wiener »Kurier« hinlegen muss, um ganz dick ins Hotelgeschäft einzusteigen. Dafür bekommt man dann aber auch gleich drei österreichische Traditionshäuser. So will die Austria-Bank den Goldenen Hirsch in Salzburg sowie die beiden Wiener Edelherbergen Bristol und Imperial abstoßen. Welcher potente Käufer sich aber auch finden wird – speziell mit dem Hotel Imperial wird er nicht nur einen architektonisch imposanten, in bester Lage am Kärntner Ring gelegenen Blickfang erwerben. Allein die Musikergästeliste spiegelt die exklusive Wohlfühlatmosphäre dieser über hundertjährigen ersten Adresse wider. Johannes Brahms und Louis Armstrong, Arturo Toscanini und Luciano Pavarotti haben hier weniger geschlafen als vielmehr residiert. Und Richard Wagner wie auch Michael Jackson soll im Imperial gar so mancher ›Hit‹ eingefallen sein.
An diese musikalisch ehrwürdige Tradition will man nun unter etwas anderen Vorzeichen anknüpfen. Dafür hat man aber nicht etwa für Österreichs prominenteste Tonsetzerin Olga Neuwirth ein Kompositionsstüberl mit allen Schikanen eingerichtet. Es ist der 35-jährige Komponist, Dirigent und Mozart-Fan Emanuel Schulz, dem man eigens eine Fürstensuite als Arbeitszimmer zur Verfügung stellt – wo er einen in dieser Form einmaligen Service anbietet. Als weltweit einziger (und festangestellter) Hotelkomponist empfängt er den betuchten wie musikbegeisterten Gast, um exklusiv für ihn ein Musikstück zu komponieren, das genau dessen Persönlichkeit widerspiegelt.
Musik als psychoanalytischer Schlüssel zum inneren Sound – das hört sich wahlweise nach Freud oder Esoterik an. Für das von ihm entwickelte »Archetype Music«-System beruft sich Schulz aber auf den Schweizer C. G. Jung, der streng wissenschaftlich bei allen Menschen ausgeprägte Urcharakterzüge diagnostiziert haben will. Der eine ist etwas friedvoller veranlagt, während der andere eher den dynamisch-aktiven Typ verkörpert. Über alle diese archaischen und angeblich bis heute allgemeingültigen Eigenschaften hat Schulz zwölf musikalische Visitenkarten komponiert, die quasi die Arbeitsgrundlage bei seiner zweistündigen Privataudienz bilden. Dem Gast spielt er auf dem Klavier bzw. auf dem Synthesizer die zwölf kurzen Stücke in schönster Dur-Seligkeit vor. Und wenn ein Stück dem Kunden besonders gefällt, weiß Schulz sofort, dass er jetzt beispielsweise gerade einen ausgesprochen harmoniesüchtigen Zeitgenossen vor sich hat. Nach einem weiteren Gespräch über die musikalischen Vorlieben kann Schulz dann zur Tat schreiten. In zwei, drei Wochen komponiert er ein Werk, das ganz dem Geschmack und vor allem dem grundlegenden Charakter des Gastes entsprechen soll. Ganz umsonst ist so eine individuelle Klangsitzung mit anschließender CD-Produktion natürlich nicht. Mit 3.000 Euro ist man dabei, wenn man Emanuel Schulz nur den Kompositionsauftrag erteilt. Für knapp 10.000 Euro darf man immerhin auch noch im Hotel Imperial übernachten. Und im Gold-Card-Segment spielen nicht nur Orchestermitglieder der Wiener Philharmoniker das Stück ein: Für 24.000 Euro bekommt man auch zwei Übernachtungen in der Imperial-Suite inkl. Butlerservice und Galadiner. »Das ist viel Geld, keine Frage«, so Emanuel Schulz. »Doch die Reaktionen, die ich bekomme, zeigen mir, dass die Kunden es als gute Investition betrachten.« Wer daher auch immer der zukünftige Hausherr des Hotels Imperial sein wird – mit Schulz verfügt er schon einmal über eine gute Einnahmequelle.

Guido Fischer, RONDO Ausgabe 3 / 2011



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