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Musikeranekdoten

Von Künstlern und anderen Irren

Auch Künstler sind nur Menschen, wie ihre Reaktionen und Äußerungen in manchen Situationen verraten. Ob Komponisten, Dirigenten oder Sänger – auf, vor und hinter der Bühne fallen nicht nur Töne, sondern manchmal auch Bonmots. Einige heitere Momente haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Kurz nachdem Giacomo Meyerbeers Tod, stellte sich bei Gioachino Rossini ein junger Mann als Meyerbeers Neffe vor und bat den Maestro, ihm einen Trauermarsch vorspielen zu dürfen, den er zum Gedenken an seinen Onkel komponiert hatte. Rossini hörte eine Weile schweigend zu und meinte dann freundlich lächelnd: »Mein junger Freund, es wäre wohl besser gewesen, Sie wären gestorben und Ihr Onkel hätte den Trauermarsch geschrieben.

»Giacomo Meyerbeer war bekannt, oder besser berüchtigt für sein Eigenlob, was den Dichter Heinrich Heine zu dem Ausspruch verleitete: »Wer wird sich um Meyerbeers Ruhm kümmern, wenn er einmal nicht mehr unter uns weilt?«

»Das wäre wirklich nicht nötig gewesen, gnädige Frau, der Herr Direktor hat mich ja auch schon bezahlt!«

Die 1933 verstorbene Koloratursopranistin Selma Kurz war, wie die meisten Künstler, extrem abergläubisch. Vor ihrem ersten Auftritt nach einer längeren, krankheitsbedingten Pause war sie verständlicherweise sehr nervös, weshalb die Leitung der Wiener Hofoper einen Kaminkehrer ›engagierte‹, der der Sängerin ganz zufällig über den Weg laufen sollte. Kurz stößt also am Bühneneingang auf den Kaminkehrer, ist darüber höchst erfreut und drückt dem guten Mann dankbar einen Geldschein in die Hand. Der strahlt übers ganze Gesicht und meint: »Das wäre wirklich nicht nötig gewesen, gnädige Frau, der Herr Direktor hat mich ja auch schon bezahlt!«

Jules Massenet wurde einmal von einem Journalisten gefragt, was er denn von seinem Kollegen Camille Saint-Saëns halte. »Oh, ein ganz fabelhafter Komponist!« Der Journalist hakte nach, ob Massenet wisse, dass Saint- Saëns kein gutes Haar an ihm lasse. »Aber sicher«, entgegnete der Komponist, »wir sagen für gewöhnlich immer das Gegenteil von dem, was wir voneinander denken.«

Einige Wochen nach der Uraufführung der »Frau ohne Schatten« musste die Interpretin der Amme ausgetauscht werden. Dirigent Franz Schalk setzte deshalb eine Probe an, bei der auch Richard Strauss anwesend war. Die neue Sängerin hatte mit der Partie zu kämpfen und konnte sich auch gegen die Klangmassen nicht so recht durchsetzen. Da flüsterte Strauss dem Dirigenten ins Ohr: »Ich kann die Amme überhaupt nicht hören!« Worauf Schalk antwortete: »Ich auch nicht! Aber Ammen waren ja schon immer nur im Stillen groß.«

Kurz vor der Uraufführung seiner »Elektra« saß Richard Strauss im Parkett der Dresdner Hofoper und verfolgte eine der letzten Proben. Weil ja ein so großes Ereignis bevorstand, wurden im Zuschauerraum alle Stühle und ihre Polsterung überprüft – genau während dieser Probe. Der eingeteilte Mitarbeiter klappte also jeden Stuhl runter und wieder rauf, was Ernst von Schuch am Pult gehörig irritierte. Er brach ab und rief: »Was soll das denn? Was sucht der Mann denn da im Saal?« Darauf Strauss von seinem Platz: »Einen Dreiklang!«

Eine ältere Dame sprach Richard Strauss nach einer Aufführung seines Hornkonzerts an: »Das war ja wirklich erstaunlich! Macht der Spieler das alles mit seinem Mund?« Strauss, ganz trocken: »Na, das will ich doch sehr hoffen!«

Giacomo Puccini verschickte kurz vor Weihnachten gerne einen Panettone an Freunde und gute Bekannte. Einmal hatte er sich mit Arturo Toscanini verkracht, ihm aber aus Gewohnheit dennoch einen Kuchen zukommen lassen. So schickte er umgehend ein Telegramm hinterher: »Panettone aus Versehen geschickt.« Postwendend kam die Antwort: »Panettone aus Versehen gegessen.«

Während seiner Wiener Direktionszeit leitete Gustav Mahler eine Opernprobe, bei der sich die Sopranistin durch eine extrem unsaubere Intonation hervortat. Nach einer Weile verlor Mahler die Geduld: »Wären Sie vielleicht so freundlich, uns Ihr A anzugeben?«

»Nein, nein, das sind falsche Perlen, die habe ich mit meiner Gage an der Wiener Staatsoper bezahlt.«

Bei einer »Tristan«-Probe in Wien riss Birgit Nilsson ihre Kette, und die Perlen kullerten über die ganze Bühne. Alle bückten sich und halfen bei der Suche. Auch Herbert von Karajan beteiligte sich, fand eine Perle, besah sie sich und meinte: »Schöne Perlen, die waren bestimmt nicht billig. Haben Sie die von Ihrer Scala-Gage gekauft?« Nilsson schüttelte nur den Kopf: »Nein, nein, das sind falsche Perlen, die habe ich mit meiner Gage an der Wiener Staatsoper bezahlt.«

Probe zu einer Neuinszenierung des »Parsifal« mit Maria Callas und Hans Beirer an der Römischen Oper. Die berühmte Kussszene im zweiten Akt, mit der Kundry Parsifal ›erweckt‹, will nicht so recht klappen, alles wirkt etwas hölzern und unbeholfen. Nach mehreren Versuchen wird es dem 70-jährigen Tullio Serafin zu bunt, er stürzt vom Pult auf die Bühne, reißt die Callas in seine Arme und küsst sie leidenschaftlich. »So küsst man!« sagt er dem verdutzten Beirer. Dessen schüchternen Einwand, dass doch Kundry Parsifal küsst und nicht umgekehrt, wehrt Serafin mit den Worten ab: »Egal, der Mann ist immer aktiv!«

Der englische Kritiker Samuel Longford konnte Wagners »Parsifal« nicht besonders viel abgewinnen – je weiter das Werk voranschritt, desto mehr langweilte er sich. Sein Résumé: »Amfortas ist der einzig Vernünftige hier, der hat sich sein Bett mitgebracht!«

Während seiner Zeit als Direktor der Wiener Staatsoper führte Herbert von Karajan die Neuerung ein, alle Opern in der Originalsprache aufzuführen: zuerst Verdi auf Italienisch, dann »Carmen« auf Französisch. Als schließlich in Salzburg sogar »Boris Godunow« auf Russisch zu hören war, meinte ein Orchestermusiker: »Jetzt fehlt nur noch, dass er »Die Zauberflöte « auf Deutsch singen lässt!«

Äußerlich ein Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle, war Sir Thomas Beecham für seine höchst spitze Zunge (und seine Wutausbrüche) gefürchtet. Der Darstellerin der Mimì rief er bei einer Probe des 4. Bildes von »La bohème« zu: »Etwas lauter bitte, ich kann Sie kaum hören!« Die Sopranistin versuchte sich zu rechtfertigen: »Wissen Sie eigentlich, dass man im Liegen nicht sein Bestes geben kann?« Beecham knapp: »Also ich habe in dieser Position einige meiner besten Vorstellungen gegeben.«

Wie viele andere Dirigenten reklamierte auch Leonard Bernstein gern die Entdeckung oder fachgerechte Förderung von Stimmen für sich. Birgit Nilsson lobte er bei einer »Fidelio«-Probe: »Einfach wunderbar, sehr gut, dass Du die hohen Töne jetzt so singst, wie ich es Dir gesagt habe.« Nilsson, die ja bekanntlich nicht auf den Mund gefallen war, gab nur zurück: »Danke für das Kompliment, Lenny, ich freue mich, dass ich auf meine alten Tage noch eine so gute Höhe entwickeln konnte. Ich will schließlich nicht ewig nur wegen meiner optischen Reize engagiert werden.«

»Der kann überhaupt nicht singen, aber die anderen sagen Maestro zu ihm.«

Die Hamburger Generalmusikdirektorin Simone Young erzählt gern die Geschichte von dem Mann, der sich einen besonders musikalischen Papagei kaufen möchte. In der Tierhandlung sieht er einige wunderschöne, bunte Exemplare. Der Papagei im ersten Käfig soll 2.000 Euro kosten, kann aber auch eine Mozart-Arie singen. Der im zweiten kostet schon 5.000 Euro, Verdi ist seine Spezialität, und zwar sowohl Bariton- als auch Bassrollen. 10.000 Euro steht auf dem nächsten Käfig, der etwas kräftigere Papagei – so ist auf dem Schild zu lesen – stemmt Tristan und Siegfried unmittelbar hintereinander. Ganz in der Ecke entdeckt der Mann schließlich ein wenig ansprechendes Exemplar, schwarz, etwas zerrupft – und 20.000 Euro teuer! Auf die Frage was der denn könne, antwortet der Tierhändler: »Der kann überhaupt nicht singen, aber die anderen sagen Maestro zu ihm.«

RONDO Ausgabe 3 / 2011



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