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Reif für die Insel

Kammermusikfestivals wie die Schubertiade Schwarzenberg oder »Spannungen« in Heimbach sind hip. Die Konzerte sind intimer, das Publikum ist weniger glamouraffin und mehr an Musik interessiert. Das Fauré Quartett hat sich einen Traum erfüllt und bekam im Rahmen der Festspiele Mecklenburg- Vorpommern die künstlerische Leitung für ein Kammermusikfestival im hohen Nordosten übertragen, den Festspielfrühling Rügen. Im März 2012 geht es los. Carsten Hinrichs hat den Pianisten Dirk Mommertz schon mal auf seine Inseltauglichkeit überprüft.

RONDO: Wieso ausgerechnet Rügen, Herr Mommertz?

Dirk Mommertz: Jeder, der schon mal auf Rügen war, kann das sofort nachvollziehen. Das ist eine der schönsten Ecken Deutschlands, wo wir zehn Tage arbeiten und musizieren wollen. Der März ist in den Festivalkalendern des reisenden Publikums noch nicht abgedeckt, daher ist das Frühjahr ideal.

RONDO: Naja, zu dieser Jahreszeit kann auf Rügen noch eine recht steife Brise wehen. Warum sollte man dorthin fahren?

Mommertz: Nordost-Deutschland ist ja durch die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern (Festspiele MV), in deren Rahmen der Festspielfrühling Rügen stattfindet, professionell abgedeckt. Da gliedert sich der März gut ein. Wir wollen aber, dass das Publikum auch eine besondere Beziehung zur Insel aufbaut. Und je höher die Wellen an der Seebrücke Sellin gehen, umso schöner ist es dort. Wir werden den Termin aber nach den ersten Erfahrungen gegebenenfalls noch leicht anpassen.

RONDO: Wie ist Ihr persönlicher Eindruck von der Insel? Wurden Sie bei den Kooperationsgesprächen mit offenen Armen empfangen?

Mommertz: Wir hatten eine ausführliche Inselbegehung mit Quartett und dem Organisationsteam der Festspiele MV dieses Jahr im März. Es erwartete uns bei den Touristikern, Hoteliers und Veranstaltungsorten eine Mischung aus Neugier und freudiger Erwartung, alle ziehen da an einem Strang und wollen dieses neue Festival. Die Konzerte werden sich über die ganze Insel verteilen, damit das typische Rügen-Feeling entsteht. Aber auch, damit sich die Rügener über die Musik der »Festspielfamilie« anschließen, wie schon in Mecklenburg-Vorpommern mit seiner starken regionalen Anbindung. Da profitieren wir sehr von den Erfahrungen und dem organisatorischen Hintergrund der Festspiele.

RONDO: Wie ist das Programm der ersten Spielzeit entstanden? Können Sie ein paar Ideen herausstreichen?

Mommertz: Wir wollen schon lange ein eigenes Festival machen. Bei einer Begegnung mit Matthias von Hülsen, dem Intendanten der Festspiele MV kam die Idee zum Festspielfrühling auf. Wir sind dann nur zu gern ins, sagen wir: lauwarme Wasser gesprungen. Im ersten Jahr gibt es noch kein durchgehendes Motto, um erst einmal mit der Programmatik zu spielen und Erfahrungen zu sammeln, wie das Publikum auf verschiedene Ansätze reagiert. Zunächst haben wir uns zusammengesetzt und einfach unsere Musikerfreunde eingeladen, tragen aber selbst einen großen Anteil bei. Einige Musiker werden die ganzen zehn Tage da bleiben, Stücke einstudieren und in wechselnden Besetzungen spielen wie beim Festival Lockenhaus. Als Klavierquartett ist die Besetzungsöffnung für uns zwar völlig neu, aber ich freue mich schon sehr auf das gemeinsame Konzert mit der NDR Bigband, das wird spannend. Die Kammermusik wird nicht nur pur dargeboten, sondern aufgebrochen mit Lesungen von Alfred Biolek und Sky du Mont. Es gibt einen Russischen Abend, eine Matinee mit Barockmusik auf der Seebrücke Sellin und ein Wellness- Konzert. Am Kap Arkona ganz im Norden machen wir ein französisches Programm – in der Nebelsignalstation, zum Sonnenuntergang.

RONDO: Sie bieten aber nicht nur Frontalmusik. Gibt es auch Kammermusikkurse für Liebhaber?

Mommertz: Ja, das fanden wir eine tolle Idee. Meisterklassen gibt es ja oft, aber nichts für Hobbymusiker. Also wenn Besucher als Hobbyensemble nach Rügen kommen möchten, bekommen sie die Chance auf Begegnung und den Austausch über das Musizieren.

RONDO: Das klingt ein bisschen nach Festival zum Mitmachen. Keine Chance dem Festivalhopping?

Mommertz: Natürlich möchten wir ein überregionales Publikum ansprechen, aber es ist attraktiv, länger zu bleiben. Dafür gibt es die Hotelarrangements. Das Fauré Quartett steht nicht nur auf dem Deckblatt, wir identifizieren uns mit diesem Festival. Wenn sich diese Begeisterung herumspricht und die Leute gerne wiederkommen, waren wir erfolgreich.


www.festspiele-mv.de


Carsten Hinrichs, RONDO Ausgabe 6 / 2011



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