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Zeitlos schön

Dieser hochwertige Kalender nimmt den berühmten Mielich-Codex der Bayerischen Staatsbibliothek unter die Lupe, eine Illumination der acht Bußpsalmen Orlando di Lassos und ein Hauptwerk des deutschen Manierismus. Dreizehn Detailaufnahmen schmücken Titel und Monatsblätter. Wir sehen Moses inmitten der Israeliten, die ersten Vögel der Schöpfung oder Schlachtenpanoramen in der überbordenden Farbigkeit dieser Handschrift. Die Hochzeit des Joseph ist auf den Platz einer Stadtresidenz verlegt, im Hintergrund reiten Meeresgötter auf Delphinen im Festumzug und die prächtig gekleideten Gäste werden an samtbespannten Tafeln bedient. In einer Laube geben sich Männer den Gefahren der Frauen und des Weines hin. Erst im November tritt uns der Komponist entgegen, dafür verblüffend lebensnah und streng in schwarz gewandet, wie sich das für den Trauermonat geziemt. Im Dezember reißt seine Hofkapelle wieder kräftig die Saiten und lässt den Dulzian brummen. Die überraschenden Ansichten des Kalenders werden abgerundet durch Beispielseiten aus dem Chorbuch auf sechs Rückblättern und allein elf Seiten wissenschaftlicher Erläuterungen zum Werk, der Musik und den Miniaturen, sowie den Biografien von Komponist, Auftraggeber und Illustrator des Codex. Einem Teil der Auflage liegen die Bußpsalmen in der einzigen Gesamtaufnahme des Ensembles »Henry’s Eight« (Hyperion) bei.
Carsten Hinrichs

Zeitlos schön. Die Bußpsalmen Orlando di Lassos, illustriert von Hans Mielich

Der Absturz eines Überfliegers

Mit vierzehn Debüt-Konzert in der Carnegie-Hall. Auf dem Programm: Paganinis 1. Violinkonzert. Und am Pult: Dmitri Mitropoulos, der den Knaben sofort als Jung-Genie feierte. Das war 1950. Nur 22 Jahre später starb Michael Rabin im Alter von 35 Jahren. Über die Umstände seines Todes gibt es so viele Spekulationen wie über den von Marilyn Monroe. Wahrscheinlich waren bei Rabin wieder körperfremde Substanzen mit im Spiel, mit denen er schon Jahre zuvor versucht hatte, im Hamsterrad eines geigenden Jetsetters zu überleben. Heute wird der Amerikaner kultisch verehrt. Auch wegen seiner makellosen Technik. Doch wie die wiederveröffentlichten Aufnahmen aus den Jahren 1954 – 1960 erneut dokumentieren, war Rabin selbst bei den Paganini-Capricen kein zirzensischer Drahtseilakrobat oder gar Blender. Die Höchstschwierigkeiten schloss er mit einer elektrisierenden Leidenschaft kurz, die bisweilen verstörend kompromisslose Züge trägt. Natürlich konnte Rabin bei den Encore-Evergreens von Ravel bis Kreisler unterhaltsamen Drive und verführerische Süße bieten, während in den mit großem Atem erzählten Violinkonzerten von Mendelssohn, Wieniawski und Tschaikowsky hier und da schon mal leichte Routine aufblitzt. Was Rabin aber zu einem wirklichen Jahrhundertgeiger machte, zeigte er 1955 im Alter von 19 Jahren. In Bachs 3. Violinsonate, die er mit einer solch erschütternden Tiefe ausmaß, wie sie vielleicht nie wieder zu hören sein sollte.
Guido Fischer

Michael Rabin – Young Genius Of The Violin

Zwölf Stars für einen guten Zweck

Mit dem Wandkalender »Klassik-Stars 2012« begleiten Sie große Künstler der Klassik durch das neue Jahr. Auf zwölf hochwertigen Porträts von Top- Fotografen mit jeweils ganz auf den Künstler abgestimmten Settings präsentieren sich Anne-Sophie Mutter, Lang Lang, Sol Gabetta, Jonas Kaufmann, Simone Kermes, Hélène Grimaud, Vittorio Grigolo, Arcadi Volodos, Annette Dasch, Martin Stadtfeld, Xavier de Maistre und Diana Damrau für den guten Zweck. So verschieden ihre Instrumente oder Tonlagen auch sein mögen, gemeinsam ist den zwölf Künstlern und Fotografen ihre Leidenschaft für die Musik und das soziale Engagement. Denn der Erlös des Kalenders geht an die Stiftung Gute-Tat. de (www.gute-tat.de). Das Projekt Gute-Tat.de unterstützt vorrangig kleinere und mittlere Hilfsprojekte, die durch individuelle bzw. private Initiative entstanden sind und mit einem überschaubaren finanziellen Volumen ausgestattet sind. Ziel des Stiftungsprojekts ist es, über das Zukunftsmedium Internet möglichst viele hilfsbereite Menschen mit konkreten Hilfsangeboten zusammenzubringen und damit die private, individuelle Hilfe von Mensch zu Mensch anzuregen.
Carsten Hinrichs

Klassik-Stars 2012 – Wandkalender

RONDO Ausgabe 6 / 2011



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