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Doktor Stradivari

Folge 28: Süßmayrs Tod

„Der Tote hieß Süßmayr?“, fragte Doktor Stradivari ungläubig. „Jetzt sagen Sie nur noch, dass es in dem Fall auch um Mozarts Requiem geht.“
Hauptkommissar Reuter lächelte. „Oh ja. Er hieß Süßmayr ohne ‚e‘, wie Mozarts berühmter Schüler, der nach dessen Tod das Requiem-Fragment vollendet hat. Es handelt sich um Theo Süßmayr. Er hielt sich für einen Nachfahren und widmete als Hobby-Musikhistoriker sein Leben der Suche nach dem vollendeten Requiem. Er glaubte nämlich, dass Mozart es doch fertiggestellt hat und die Partitur heimlich verkauft wurde. Mozarts Witwe soll …“ „Bitte“, unterbrach der Doktor. „Es gibt genug Gerüchte über das Requiem. Ich habe keine Lust, ein weiteres zu hören. Was genau haben wir?“
„Also gut.“ Reuter konzentrierte sich auf seine Akten. „Süßmayr war in Wien, wo er in einer Privatsammlung einen Teil des Requiems, den noch niemand kennt, entdeckte.“ „Tatsächlich?“ „Er hat es in sein elektronisches Tagebuch eingetragen. So ein Kirchenwerk besteht ja aus mehreren Sätzen, und die wurden oft einzeln überliefert.“ „Das ist mir bekannt“, sagte Stradivari.
„Am Abend nach der Rückkehr erhielt er jedenfalls gegen acht Uhr Besuch von Professor Ritter, einem renommierten Musikwissenschaftler, der seit Jahrzehnten ebenfalls über das Requiem forscht. Zwischen halb neun und halb zehn wurde Süßmayr in seinem Arbeitszimmer erschossen. Seine Frau fand die Leiche um kurz nach zehn. Ritter war nicht mehr da. Wir glauben, dass er Süßmayr getötet und die Noten mitgenommen hat. Der Fund ist ja auch eine Sensation.“
„Wenn es ihn gibt, sicher. Wurde die Partitur denn bei Ritter gefunden?“ „Nein, aber die Tatwaffe. In Ritters Garten.“ Doktor Stradivari überlegte. „Sie sprachen gerade über ein elektronisches Tagebuch. Was stand dort?“
Der Hauptkommissar las vor: Ich bin fündig geworden! Das ‚Gloria in excelsis‘ in D-Dur! Mit Bassetthörnern! Die typische Mozart-Instrumentation! Hurra! Stradivari runzelte die Stirn. „Was wissen Sie eigentlich über Süßmayrs Ehefrau?“ Reuter hob die Schultern. „Sie hat Geld in die Ehe gebracht und die Hobby-Forschungen finanziert. Sie hielt nichts davon. Sie versteht wohl wenig von Musik. Die Ehe lief nicht gut.“ Der Hauptkommissar sah auf. „Aber sollten wir uns nicht auf den Professor konzentrieren?“
„Auch die Ehefrau hätte ein Motiv gehabt. Ob sie ihren Mann getötet, die Eintragung selbst vorgenommen und die Waffe in Ritters Garten versteckt hat, weiß ich natürlich nicht. Aber der Professor ist aus meiner Sicht unschuldig.“
Wie kommt Doktor Stradivari darauf?

Doktor Stradivari ermittelt – und Sie können gewinnen!

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Auflösung aus Magazin 3/2017:

Prof. Erlenbach gab an, auf dem von seinem Neffen gestohlenen sechssaitigen Instrument von 1640 die Werke Sainte-Colombes und Marais‘ gespielt zu haben. Auch lagen Werke von Marais aufgeschlagen auf dem Notenpult. Als dessen Interpret hätte er aber wissen müssen, dass die Gambe zur Zeit Sainte-Colombes (parallel in anderen Ländern sogar schon früher) eine instrumentenbauliche Änderung erfahren hatte und um eine siebte, tiefste Saite ergänzt worden war. Die Werke Marais‘ für Bassgambe sind für die zu seiner Zeit bereits übliche siebensaitige Version komponiert. Die Aussage war also eine Lüge, der Diebstahl durch den Neffen wahrscheinlich nur fingiert, um sich ein fremdes Instrument anzueignen.


Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 5 / 2017



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