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Franz Welser-Möst (c) Michael Pöhn

Café Imperial

Unser Stammgast im Wiener Musiker-Wohnzimmer

Die Opern von Jean-Philippe Rameau sind sowieso nicht besonders angesagt an deutschen Opernhäusern. Noch schlimmer steht es um seine „Actes de ballets“: Opern-Einakter, für die man zusätzlich auch noch Tänzer extra engagieren muss. Höchstens im Theater an der Wien kriegt man die mal zu sehen. Oder, wie jetzt, bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik, wo man eine davon nach Stationen in Versailles, Potsdam und Wien eingeladen hat. In „Pygmalion“ (1748), einem eher frühen Werk der Gattung, wird einer Statue das Tanzen beigebracht. Das Werk fand die Billigung Rousseaus, eines Gegners des Komponisten. Und ist trotzdem nahezu vergessen. Von Innsbruck geht längst nicht mehr ein Glanz aus wie zu Zeiten von René Jacobs. Dass man mit Christophe Rousset den potentesten Rameau-Verteidiger der Gegenwart gastieren lässt – und mit „Les Cavatines“ ein historisches Tanz-Ensemble, das unter Natalie van Parys das Werk schon vor zehn Jahren erarbeitete –, spricht für sich. Immerhin.
Im Café Imperial, der glamourösesten Drehscheibe der Wiener Klassikwelt, begegnen wir immer denselben Größen. Das ist nun mal so. Auf dem Weg zu den Waschräumen wundere ich mich längst nicht mehr darüber, Daniel Barenboim zu treffen. Vom schräg gegenüber liegenden Café Schwarzenberg berichtete einst der große Theaterregisseur Fritz Kortner, er sei nach Krieg und Emigration mit weichen Knien dorthin zurückgekehrt. Er öffnete die Tür, erwartend, einer Welt in Scherben (und einigen Tätern noch dazu) gegenüber zu stehen. Da drang auch schon der Ruf an sein Ohr: „Servus, Fritzl!“ Es war, als sei er nur mal kurz draußen gewesen. – Die Welt der Klassik und des Theaters ist eine Welt bekannter Gesichter und definitiv gemischter Gefühle. Nicht alle mag man. Allen begegnet man wieder. Ins Theater an der Wien kehrt im Oktober mit Robert Carsen einer der wichtigsten Opernregisseure zurück, die hier früher schon richtig Glück hatten (besonders 2014 mit „Platée“). Diesmal für „Wozzeck“ (ab 15.10., mit Florian Boesch). In der Volksoper erinnert man sich in Gestalt der „Räuber“ („I masnadieri“) eines frühen Verdi (ab 14.10., mit alten Bekannten: Vincent Schirrmacher und Kurt Rydl). Franz Welser-Möst hat bei seinem viertägigen Gastspiel im Musikverein diesmal ein konzertantes „Schlaues Füchslein“ dabei (19./20.10.) sowie Mahlers Sechste (22.10., jeweils mit Cleveland Orchestra). Herbert Blomstedt reist zum wiederholten Male samt Gewandhausorchester Leipzig für Brahms und Bruckner an (29.10.-2.11.). Von den Dirigenten der Wiener Philharmoniker ist Christian Thielemann ein Stammgast, aber dennoch der weitaus interessanteste (18.-20.11.). Im Konzerthaus bei den Wiener Symphonikern gastieren immerhin zwei große Dirigier-Nachrücker der Gegenwart: Lahav Shani (15.10.) und François-Xavier Roth (24./25.10.). Das (gefühlt monatliche) Gastspiel von Teodor Currentzis mit MusicAeterna gilt diesmal Prokofjew und Schostakowitschs Neunter (27.10.). Bei der Kammermusik bilden wieder die Konzerte mit dem Belcea Quartet (plus Antoine Tamestit, 4./5.11.) den Höhepunkt. Unser Berichtszeitraum wird beschlossen mit einem Arien- Programm durch Juan Diego Flórez, der sogar um die Ecke wohnt (22.11., alles im Konzerthaus). Wobei Ausschnitte aus seiner neuen Mozart-CD erklingen. Das wäre nun immerhin halbwegs ein Novum. Danach, Flórez kann es nicht lassen, folgt wie das Amen in der Kirche die berühmte Arie aus der „Regimentstochter“. Und wollen wir es denn anders?!
Ober, zahlen.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 5 / 2017



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