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Da kommt was in Bewegung: Die Jenaer Philharmonie (c) Anna Schroll/thueringen.de

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Warmer Geldregen

In Thüringen hat man gerade kräftig die Korken knallen lassen. Drei Orchester bekommen nämlich schon bald einen Scheck ins Haus geschickt, mit dem der Bund Orchester bei besonderen Zukunftsprojekten unterstützen will. Die Jenaer Philharmonie darf sich zusätzlich zu ihrem normalen Etat somit über 1,01 Millionen Euro, die Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach über 300 000 Euro und das Philharmonische Orchester Altenburg-Gera über 250 000 Euro freuen. Unter dem Strich haben allein diese drei Klangkörper im Rahmen des Förderprogramms „Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland“ ganz schön abgeräumt. Doch gehen auch weitere 26 Orchester von Hamburg bis runter nach Konstanz nicht leer aus. So erhalten etwa die Hamburger Symphoniker in den kommenden drei Jahren jeweils 450.000 Euro für ihr Projekt „ThinkINg Orchestra“. Dahinter verbirgt sich ein mehrteilig aufgebautes Format, das u.a. neuartige und besondere, zum Teil mehrsprachige Orchesterworkshops, Vortragsreihen, Orchesterakademietätigkeiten enthält. Kein Wunder, dass auch Daniel Kühnel, Intendant der Hamburger Symphoniker, wie seine Kollegen von dem Geldsegen äußerst angetan ist: „Wir freuen uns für und mit allen deutschen Orchestern und Ensembles, deren Arbeit nun durch den Bund gefördert werden kann. Die unbedingt erhaltenswerte bundesdeutsche Orchesterlandschaft ist einzigartig und sollte daher international eine Vorreiterrolle einnehmen, wenn es um die dringend nötige Erneuerung des eigenen und des allgemeinen Verständnisses davon geht, was Orchester sind und was sie leisten können. Dass der Bund sich in diesem Prozess nun tatkräftig engagiert, ist ein sehr wichtiger Schritt.“
Nun also wurde die erste Tranche von 5,4 Millionen Euro aus dem Förderprogramm „Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland“ freigegeben, mit dem die immer noch weltweit einmalige Häufung und Vielfalt von Klangkörpern in Deutschland unterstützt werden soll. Auf die vom Bund initiierte Ausschreibung hatten sich 49 Orchester beworben. Zur Vergabejury gehörten so berufene Namen wie Ilona Schmiel (Intendantin und Direktorin der Tonhalle Zürich), Martin Hoffmann (ehemaliger Intendant der Berliner Philharmoniker) und Andreas Bausdorf (Deutsche Orchesterstiftung). So erfreulich solch ein Programm natürlich schon angesichts der finanziell höchst angespannten Lage ist, in der sich viele der Orchester befinden – ein Wermutstropfen dabei ist der etwas undurchsichtige Umgang mit den Steuergeldern. So soll das Förderprogramm fünf Jahre laufen, pro Jahr werden die besagten 5,4 Millionen Euro ausgeschüttet. Andererseits sollen insgesamt lediglich 11,1 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Wundersame Geldvermehrung? Warum nun aber diese und keine anderen 29 Orchester für die erste Geldrunde ausgewählt wurden, verrät leider weder eine Pressemitteilung noch die Internetseite von Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Dabei könnte genau das eine wertvolle Information sein – zumindest, falls man vorhatte, weitere Klangkörper mit dem Förderprogramm zur Initiative und Bewerbung anzuregen.

Guido Fischer



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