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Musik-Krimi

Folge 27: Das Gambengeheimnis

Als Hauptkommissar Reuter und Doktor Stradivari vor Professor Erlenbachs Villa aus dem Wagen stiegen, hörten sie von drinnen melodische Töne eines Streichinstruments. Eine Hausangestellte öffnete ihnen und meldete sie an. Die klagenden Klänge verebbten. Erlenbach begrüßte die Besucher und führte sie in sein Musikzimmer. Mehrere Gamben lehnten an den Wänden. Auf einem Notenständer lag aufgeschlagen eine Komposition von Marin Marais.
Der Hauptkommissar zeigte dem Professor das Foto einer Gambe, die in einem offenen Kasten lag. Das Instrument stammte aus dem Lager eines Diebes, den die Polizei überführt hatte. Ironie des Schicksals: Der Täter war Egon Rausch – Erlenbachs Neffe. Er hatte bei der Vernehmung zugegeben, dass er das Instrument seinem Onkel gestohlen hatte.
„Gehört sie Ihnen?“, fragte Doktor Stradivari. Er wusste, dass es sich um eine französische Bassgambe handelte. Mit ihren sechs Saiten, dem breiten Griffbrett und der besonderen Form wich sie deutlich vom Violoncello ab – dem Bassinstrument der Violinfamilie, die den Gamben Ende des 18. Jahrhunderts endgültig den Rang ablief.
„Oh ja“, sagte Erlenbach. „Sie glauben gar nicht, wie ich sie vermisst habe. Furchtbar, dass Egon mir so etwas antun konnte. Er war immer schon das schwarze Schaf der Familie …“ Er konnte seinen Blick nicht von dem Bild lösen. „Sie stammt aus dem Jahre 1640. Wussten Sie, dass zu dieser Zeit einer der berühmtesten und gleichzeitig rätselhaftesten Meister dieses Instruments geboren wurde?“
„Sie meinen Monsieur de Sainte-Colombe“, sagte Doktor Stradivari. „Man weiß fast nichts über ihn und kennt noch nicht einmal seinen Vornamen. Aber er war Lehrer von Marin Marais, dem Gambisten am Hofe des Sonnenkönigs Ludwigs XIV.“ „Sie kennen sich aus“, sagte Erlenbach anerkennend. „Dieser Mann hat fast sein ganzes Leben einsam mit seiner Gambe verbracht. Und darin tue ich es ihm gleich. Ich spiele jeden Tag, unternehme fast nichts anderes. Der besondere Klang hat es mir angetan. Und gerade auf dem Originalinstrument, das mir mein Neffe stahl, habe ich alle Werke von Sainte-Colombe und seines Schülers am schönsten gespielt. Die anderen hier sind moderne Kopien. Wann kann ich sie zurückbekommen? Jede Minute, die ich von ihr getrennt bin, schmerzt mich.“
Reuter wollte etwas sagen, aber Doktor Stradivari ging dazwischen. „Ich fürchte, gar nicht. Ich denke, dass Ihnen die Gambe nicht gehört. Sie haben gelogen, und Ihr Neffe auch. Haben Sie mit ihm vielleicht gemeinsame Sache gemacht, um sich ein fremdes Instrument anzueignen?“

Wie kommt Doktor Stradivari darauf?

Doktor Stradivari ermittelt – und Sie können gewinnen!

Wenn Sie die Lösung wissen, schreiben Sie sie an stradivari@rondomagazin.de oder postalisch an RONDO, Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin – bitte auch Ihre Kontaktdaten nicht vergessen! Unter allen Zuschriften verlost RONDO in Kooperation mit dem Label Coviello Classics fünf Exemplare der neuen CD von Gambist Thomas Fritzsch, darauf erst jüngst wiederentdeckte Gambenkonzerte von Carl Friedrich Abel, Anton Milling und Anton Raetzel in Weltersteinspielung. Einsendeschluss ist der 1. August 2017. Viel Glück!


Auflösung aus Magazin 2/2017:

Eine Passantin kommt aus dem Konzert und erkennt die Musik, die der vermeintliche Täter im Autoradio hört. Doch statt Schumanns „Geistervariationen“, dem Werk aus dem Konzert, gab es Schubert, Mendelssohn und Brahms. Kann das mit rechten Dingen zugehen? Stradivari ahnt aber, dass es sich beim Brahms nur um dessen Variationen op. 9 „über ein Thema von Robert Schumann“ handeln kann, die dasselbe „Geister“- Thema abwandeln. So empfing die Passantin tatsächlich – Schumanns Geister aus Brahms‘ Händen. Und der Täter doch noch seine Handschellen.


Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 3 / 2017



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