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Musik-Krimi

Folge 26: Schumanns Geist

Geistervariationen‘, sagte Hauptkommissar Reuter. „Ein sehr geheimnisvoller Titel. Sie wissen doch sicher, was es damit auf sich hat, Doktor Stradivari?“ Stradivari verzog missmutig den Mund. Er hatte schließlich schon oft bewiesen, welch ein Musikexperte er war. „Das Werk stammt von Robert Schumann, den ja bekanntlich eine geistige Krankheit quälte“, sagte er. „Schumann soll an diesem Werk gearbeitet haben, als er aufstand, zum Rhein lief und sich hineinstürzte. Zum Glück wurde er gerettet. ‚Geistervariationen‘ heißt das Werk, weil Schumann sich einbildete, die Geister von Mendelssohn und Schubert hätten ihm das Thema eingeflüstert. Nach einer anderen Version der Geschichte sollen es Engel gewesen sein.“ Er unterbrach sich. „Haben Sie mich kommen lassen, um Ihnen das zu erklären?“ „Auch, mein lieber Doktor. Denn dieses Werk spielt eine Rolle in meinem neuen Fall.“ „Waren Geister im Spiel?“
Der Hauptkommissar lächelte. „Ich hoffe nicht. Denn dann wäre unsere kriminalistische Kunst am Ende. Aber ernsthaft: Es geht um eine Einbruchserie. Der Täter wurde mehrmals von Zeugen beobachtet. Er hat die Marotte, vor seinen Taten das betreffende Haus zu beobachten und dabei klassische Musik im Autoradio zu hören. Im jüngsten Fall war die Nachtluft mild. Der Täter ließ das Fenster offen – und eine Zeugin, die gerade vorbeikam, konnte die Musik hören. Sie sah später, wie der Mann ausstieg und sich am Nachbarhaus zu schaffen machte. Sie tat das einzig Richtige und rief die Polizei an. Es kam zu einer Verfolgung. Der Wagen hatte ein gestohlenes Kennzeichen, das über das echte montiert war. Nun haben die Kollegen einen Wagen finden können, der in Frage kommt. Im Autoradio war noch WDR3 eingestellt – der Klassiksender des Westdeutschen Rundfunks.“
„Aber dann haben Sie ja die entscheidende Spur“, meinte Stradivari. „Eben nicht! Die Zeugin schwört Stein und Bein, dass aus dem Auto ein Klavierstück drang, das sie kurz zuvor im Konzert gehört hatte. Sie kam gerade von dort. Hier ist das Programmheft. Sie hat es uns gegeben.“
Es war ein Klavierabend mit Werken zu vier Händen gewesen. Schubert war erklungen. Außerdem Mendelssohn und Brahms. „Ich fürchte, ich kann Ihnen nicht folgen“, sagte der Doktor. „Was stimmt daran nicht?“ „In der in Frage kommenden Zeit lief auf keinem Radiosender eines dieser Werke. Wir haben das genau überprüft.“ „Was sendete WDR3?“ „Schumanns besagte ‚Geistervariationen‘. Und die kamen im Konzert nicht vor. Auch nicht als Zugabe. Auch danach haben wir uns erkundigt. Der Täter muss Musik von seinem Handy gehört haben. Aber damit kriegen wir ihn nicht.“
„Ich denke doch“, sagte Stradivari nach kurzem Überlegen. „Sie haben alle Informationen, die Sie brauchen. Der verdächtige Wagen wird das Fluchtauto des Einbrechers sein.“
Wie kommt Doktor Stradivari darauf?

Doktor Stradivari ermittelt - und Sie können gewinnen!

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Auflösung aus Magazin 1/2017:

Gegen den Vorwurf der heimlichen Affäre mit der Schülerin und Sängerin Anna Girò setzte sich Antonio Vivaldi sein Leben lang zur Wehr. Das aber endete 1741 in Wien, wo Vivaldi hoffte, eine Anstellung bei Kaiser Karl VI. zu erhalten. Der musikalische Priester wurde auf einem Friedhof beerdigt, über dessen Boden sich heute die TU Wien erhebt. Die rührenden Besuche auf der Friedhofsinsel San Michele von Venedig wären also sinnlos gewesen, die vermeintlichen „Geständnisse“ von Anna Girò sind eine Fälschung von Jens Brenner.


Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 2 / 2017



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