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Unerhört! Wagners „Tannhauser“

Monaco (MC), Opéra de Monte Carlo

Nein, da fehlt kein „ä“. Dieser „Tannhauser“ schreibt sich ohne Umlaut. So wie er 1861 in der Pariser Opéra erstmals erklang. In der Welthauptstadt der Oper wollte der 47-jährige Richard Wagner endlich ernst genommen werden. Was als Triumph geplant war, wurde einer der größten Theaterskandale des 19. Jahrhunderts. Die Besucher waren mit der Länge und Komplexität überfordert. Es dauerte fast dreißig Minuten, bis nach Ouvertüre und doppelt so langer Venusbergszene mit dem Tanzbacchanal der erste Gesangston zu hören war.
Dieser „Tannhäuser“ auf Französisch wurde selbst in Frankreich zuletzt vor dem Ende des zweiten Weltkriegs gegeben. Deshalb hörte man jetzt an der Opéra de Monte Carlo mit staunensweiten Ohren zumindest im ersten Akt ein fast neues Stück. An der Spitze des mit gallischem Esprit spielenden Orchestre Philharmonique stand die Altistin Natalie Stutzmann. Sie verstand es vom ersten Ton an, dieser Musik einen eben nicht teutonischen Klang zu geben. Denn Wagner hatte ja nicht nur über ein Jahr lang 164 Ensembleproben angesetzt, er hatte unter dem Eindruck des vollendeten „Tristan“ die Venusbergmusik chromatisch raffiniert gebrochen, neu zum Schillern gebracht. Stutzmann ließ das mit delikater Sinnlichkeit, sirrenden Streichern und wollüstigen Holzbläsern erklingen. Und die Worte klangen in französischen Reimen mehr nach eleganter Konversation statt klobigem Pseudomittelalter.
Hausherr Jean-Louis Grinda inszenierte konventionell, aber mit Pfiff. Während Jorge Jaras Kostüme die Zwanzigerjahre widerspiegeln, hat Laurent Castaingt die Minibühne durch eine Art halbe Schneekugel für Projektionen erweitert. Aus der soliden Besetzung ragt als Henri Tannhauser in einem gelungenen Rollendebüt – José Cura. Der argentinische Startenor zeigt schonungslos einen gealterten, ausgebrannten Rebellen, mit veristischen Untertönen, geschickt lyrisch genommenen Höhen und auftrumpfender Mittellage. Somit ist diese „Tannhauser“-Sensation am Mittelmeer perfekt. Und Bayreuth für 2019 im Zugzwang.

Roland Mackes, RONDO Ausgabe 2 / 2017



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