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Tiefer Glaube, heller Geist: Sofia Gubaidulina (c) F. Hoffmann-La Roche/ GEMA

Pasticcio

Grande Dame

An Komponisten, die tiefe Gläubigkeit mit einem musikalisch radikalen Fortschrittsglauben verknüpften, hat es auch im 20. Jahrhundert nie gemangelt. Messiaen, Penderecki und Stockhausen wären da zu nennen. Und auch das bisweilen ultra-avancierte Schaffen der Russin Sofia Gubaidulina ist nicht ohne einen strengchristlichen Background zu denken. Dennoch besitzt ihre Musik eine schillernde Spannkraft und expressive Unruhe, die nichts von sturer Frömmigkeit widerspiegelt.
Wie sie einmal geäußert hat, empfing sie die entscheidenden Impulse von Schostakowitsch, Webern und natürlich Bach. Doch in ihren klangsprachlichen Mitteln erwies sich die 1931 in der Sowjetunion geborene und längst unweit von Hamburg lebende Komponistin stets als eine eigenständig Suchende und Findende. Immer wieder streute sie neo-avantgardistische Elemente wie chromatische Cluster und flimmernde Glissandi in ihre Werke ein. Doch auch diese standen stets im Dienste einer spirituellen Expressivität, die so gar nichts von der allzu oft gefällig-monotonen Haltung so mancher komponierender Glaubensbrüder à la Arvo Pärt besitzt. Gubaidulinas musikalische Glaubenswerke sind immer auch aufwühlend, nachdenklich und fordern den Hörer.
Im Laufe ihres 85-jährigen Lebens ist ein umfangreicher, facettenreicher Werkkatalog entstanden, der von Klavierkompositionen über Chor- und Kammermusikwerke bis hin zu Orchesterstücken reicht. Und zu ihren wichtigsten Solokonzerten gehören zweifellos die Konzerte für Violine oder Cello, die sie für Gidon Kremer bzw. für Mstislaw Rostropowitsch geschrieben hat.
Jetzt ereilte die Komponistin die freudige Nachricht, dass sie von der GEMA mit dem Deutschen Musikautorenpreis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wird. „In ihren Werken“, so die Begründung der Jury, „verbindet sich tiefe Religiosität mit der von ihr bewunderten fernöstlichen Kultur. Die Beschäftigung mit traditionellen Volksinstrumenten steht neben Partituren für das große klassische Orchester. Die Tradition der russischen Musik wird von ihr zu einer universalen Glaubenssprache weiterentwickelt. Ihr Lebenswerk ist in höchstem Grad Bekenntnismusik, immer existentiell und in jeder Sekunde lebensnotwendig.“
Die Preisverleihung findet am 30. März in Berlin statt. Und wer überhaupt einmal die Musik von Sofia Gubaidulina aus allererster Interpretenhand erleben möchte, der hat dazu in Dresden die Gelegenheit. Dort porträtiert die Sächsische Staatskapelle die Komponistin eine ganze Saison lang mit einem Konzertschwerpunkt. Im Mai wird Christian Thielemann in diesem Rahmen auch Gubaidulinas Orchesterstück „Der Zorn Gottes“ zur Uraufführung bringen.

Guido Fischer



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