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Sag's mit Musik: Christian Thielemann am Pult der Sächsischen Staatskapelle Dresden © Matthias Creutziger

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Die Kraft des Großen

„Wie halten Sie es eigentlich mit der Politik?“ Aktuell dürfen sich selbst Künstler jedweder Herkunft und Bestimmung dazu äußern. Denn aus irgendwelchen Gründen auch immer scheinen Schlagersternchen, Rock-Opis und Klassik-Granden dafür mit einer besonderen intellektuellen und ethischen Kompetenz gesegnet zu sein. Doch Vorsicht: Wer nicht im Sinne der Mehrheitsmeinung warnend den Finger hebt, der steht direkt am Pranger. Genau dies musste Christian Thielemann 2015 erfahren. Als der Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden damals vorschlug, sich ernsthaft mit den Teilnehmern der Pegida-Demonstrationen auseinanderzusetzen, gab es prompt öffentliche Schelte. So schrieb die in der Schweiz erscheinende Tageszeitung „Der Bund“ zu Thielemanns eigentlich überlegenswertem Vorschlag: „Nun zündelt er wieder.“ Diesen Ausflug ins tagespolitische Geschäft hat Thielemann seitdem lieber wieder anderen überlassen. Wie dem Kollegen Daniel Barenboim, der gerade erst – während eines Bruckner-Konzerts in der New Yorker Carnegie Hall - zum frischgewählten US-Präsidenten bzw. zu seinen Plänen der Kulturförderung mahnende Worte kundtat. Solche Statements aus dem Munde Thielemanns wären undenkbar. Wahrscheinlich allein schon aus Respekt vor dem Gastland.
Überhaupt will der (selbstverständlich politisch interessierte) Musiker seine Arbeit so gar nicht politisch verstanden wissen. Das gab er jetzt noch einmal klipp und klar der „Dresdner Morgenpost“ zu Protokoll. Eigentliches Thema waren die kolportierten stockenden Vertragsverhandlungen mit der Staatskapelle. Und Thielemann konnte Entwarnung geben: „Ich passe gut zum Orchester, das Orchester passt gut zu mir. […] Wo sonst könnte ich Chefdirigent sein und in der Oper dirigieren? Im deutschsprachigen Raum ist meine Position die tollste, die es gibt.“ Schnell wurde danach aber wohl ein Schlenker hin eben zur Tagespolitik gemacht. Und Thielemann wiederholte nun erneut seine bereits oftmals geäußerte Grundeinstellung zum Themenkomplex „Musik & Politik“: „Es gefällt mir ganz und gar nicht, wenn Musik oder Musiktheater in den Dienst einer politischen Botschaft gestellt werden. Ich finde das ideenlos und armselig. Spielen wir lieber unsere Klassiker. Die sagen viel Kluges über das, was uns aktuell beschäftigt." Der Rückverweis auf die Kraft der Musik drückt den etwas naiven Glauben an das Kunstwerk als Träger einer allgemeingültigen humanistischen Botschaft aus. Darüber hinaus hat Thielemann zwar selbst immer wieder Werke dirigiert, die ohne ihren gesellschaftlichen Background nicht entstanden wären. Dazu gehört Hanns Eislers „Deutsche Sinfonie“ genauso wie das Schaffen von Schostakowitsch und Henze. Trotzdem setzten sämtliche Werke, die Thielemann von diesen unterschiedlich politisierten Komponisten des 20. Jahrhunderts aufgeführt hat, eben nicht auf knackige, schnell verdauliche Parolen. Vielmehr schwingt auch in ihnen genau dieses „Prinzip Hoffnung“ mit, das laut Ernst Bloch den Wesenskern nur von großer, bedeutender, zukunftsweisender Musik ausmacht.

Guido Fischer



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