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Zensur der Eröffnungsaufzeichnung? Die Elbphilharmonie (c) Maxim Schulz/elbphilharmonie.de

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Sturm im Elbwasserglas

Lange hat die „Elphi“, wie die Hamburger Elbphilharmonie inzwischen liebevoll abgekürzt wird, allen heftigen Diskussionen um sie erfolgreich getrotzt. Am 11. Januar öffnete sie nun mit Pauken, Prominenz und einem abwechslungsreichen wie anspruchsvollen Programm die Pforten, das nicht nur quer durch abendländische Musikgeschichte ging. Der von Thomas Hengelbrock geleitete, knapp vierstündige Abend wurde sowohl vom NDR wie auch im deutsch-französischen Kultursender Arte übertragen.
Mit dieser telegen in Szene gesetzten Eröffnungsfeier hätten die gebührenfinanzierten Öffentlich-Rechtlichen ihren Kulturauftrag also erfüllt. Und wer nicht live dabei sein konnte, der kann sich auf Arte das komplette Konzert nachträglich zu Gemüte führen. Trotzdem hat der Sender sich jetzt einen „Öffentlichen Brief“ eingehandelt, in dem ihm nichts Geringeres als Zensur vorgehalten wird. Ein schwerer Vorwurf, der da von namhaften Unterzeichnern wie Friedrich Cerha, Helmut Lachenmann, Siegfried Matthus und Aribert Reimann erhoben wird. Diese Komponistenriege, die Unterstützung auch von Christian Gerhaher, Gert Heidenreich und Michael Krüger bekommen hat, beschwert sich über die Werkauswahl einer auf 90 Minuten eingedampften Version des Eröffnungskonzerts. Gezeigt wurde sie am 15.1. auf der sonntäglichen Plattform „arte concert“. Doch unter den Tisch hatte die Redaktion ausgerechnet die einzige zeitgenössische Komposition fallen lassen, die zudem für die Eröffnung geschrieben worden war.
Dass nun eben Wolfgang Rihms „Reminiszenz“ für Tenor und Orchester fehlte, brachte u.a. Peter Michael Hamel (Direktor der Musikabteilung der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München) auf die Barrikaden. „Ihr Arte-Spezial zur Eröffnung der Elbphilharmonie trägt den Titel ‚Auftakt - für den Klang des Jahrhunderts‘. Was für ein Eigentor, den einzigen Klang des 21. Jahrhunderts aus der Wiedergabe des Eröffnungskonzertes zu streichen!“, heißt es da in dem Beschwerdebrief. Weshalb man „empört über eine Absetzung“ sei, „die einer Zensur gleichkommt“. Die Begründung für diesen Schritt lieferte man gleich auch noch mit: „Lag es am vertonten Text, den man den Zuschauern am Sonntagnachmittag nicht zumuten zu können glaubte? Wollte man ,schwere Musik’ den Einschaltquoten opfern? Und das ohne jeden Kommentar!“
Berechtigt mag ja die Frage sein, warum Rihms Stück durch den Rost gefallen ist. Aber deswegen gleich mit der Allround-Keule „Zensur“ anzugreifen, ist schon deshalb etwas überzogen, da man bei diesem Kultursender immer wieder zeitgenössische Klänge geboten bekommt, die nun wirklich weit weniger quotentauglich sind als die von Rihm. Inzwischen hat Arte auf den Offenen Brief reagiert – mit dem Hinweis, dass dieser Sendeplatz nur eine Platz von maximal 90 Minuten zuließe. Dafür wäre das komplette Konzert – also inkl. Rihm - 90 Tage lang auf der Senderseite abrufbar.

Reinhard Lemelle



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