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Quereinsteiger: Bogdan Roščić (r.), designierter Direktor der Wiener Staatsoper ab 2020, wird von Kunst- und Kulturminister Thomas Drozda (m.) und Christian Kircher (l.), Geschäftsführer der Bundestheater-Holding präsentiert © Regina Aigner/bundeskanzleramt.at

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„Staatsoper 4.0“ - ?

Der 2020 sich vom Amt des Wiener Staatsoperndirektors verabschiedende Dominique Meyer hat seine Sache doch eigentlich äußerst zufriedenstellend erledigt. Schließlich hat das Traditionshaus unter seiner Leitung eine Auslastung von fast 100 Prozent erreicht. Die Bilanz kann sich also sehen lassen, wie auch der österreichische Kulturminister Thomas Drozda gerade erst betont hat. Trotzdem hat Drozda Meyer nun quasi den Stuhl vor die Tür gesetzt und dessen Nachfolger gleich aus dem Hut gezaubert. Wenn Meyers (für viele überraschenderweise nicht verlängerter) Vertrag 2020 ausläuft, wird Bogdan Roščić der neue Staatsopernchef und übernimmt damit einen der wichtigsten Operntempel der Welt. Dabei ist Roščić bisher aber keineswegs als Opernkoryphäe bzw. erfahrener Musiktheatermann bekannt geworden. Der promovierte Philosoph gilt vielmehr als musikalischer Quereinsteiger. Seine ersten bedeutenden beruflichen Schritte machte er als Pop-Kritiker bei der „Presse“ und dem „Kurier“, es folgte der Job als Musikchef bei Ö3. Nach dem Chefposten bei Decca in London 2006 ging Roščić 2009 nach New York, um die Leitung von Sony Classical zu übernehmen. Musikalisch ganz unbeleckt ist Roščić also zwar nicht. Trotzdem ist bei unseren Nachbarn nicht jeder davon begeistert, dass er jetzt den Vorzug vor solch prominenten Kollegen wie Elisabeth Sobotka (Bregenzer Festspiele) oder Alexander Pereira (Mailänder Scala) bekommen hat, die sich laut Medienberichten auch im engeren Pool befunden haben müssen. So wird schon vor einer „Skandal-Bestellung“ und „Entwürdigung der Wiener Staatsoper“ gesprochen.
Steht der Untergang des Wiener Opernabendlandes wirklich bevor? Viele mögen sich zwar weiterhin an Bogdan Roščićs Popjournalisten-Laufbahn stoßen. Doch bei seiner Vorstellung konterte der Auserwählte jetzt mit den Worten: „Ich glaube, man soll Erfahrung nie gering schätzen im Leben, aber ich glaube, die Aufgabe ist doch eher eine des Gestaltens. Für mich ist Theater so was, wie einer Maschine Kunst abzupressen. Und ich glaube, das Werkzeug dafür sind Ideen. Und wenn die gut sind, dann habe ich die Erfahrung in meinem Berufsleben gemacht, dass man Skepsis in anderes verwandeln kann.“ Aber selbstverständlich hatte Roščić auch noch etwas zur Zukunft der Staatsoper zu sagen. Warnend wies er darauf hin, dass die auch goldenen Auslastungszeiten nicht für immer Bestand haben müssen, vor allem angesichts des stetig älter werdenden Stammpublikums. Dem möglichen Zuschauerschwund will er daher entgegenarbeiten. Nicht zuletzt mit der verstärkten Konzentration auf die zeitgenössische Oper. „Staatsoper 4.0“ lautet denn auch Roščićs schickes Signet – das er ab 2020 nur noch mit konkretem Inhalt füllen muss.

Guido Fischer



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