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Kehrt Dresden 2019 den Rücken: Chefdirigent Michael Sanderling (c) Marco Borggreve/Dresdner Philharmonie

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Heftiger Wellengang an der Elbe

Als die Dresdner Philharmonie und ihr Chefdirigent Michael Sanderling am 22. November ihre Europa-Tournee mit einem Konzert in München starteten, war man wohl voller Vorfreude auf das, was man in den nächsten knapp zwei Wochen so alles erleben wird. Immerhin standen Konzerte in Österreich, Italien, Slowenien und der Slowakei auf dem Tourplan. Doch schon bald machte sich eine gewisse Unruhe in der musikalischen Reisegesellschaft breit. Aus der Heimat musste man von Budgetkürzungen erfahren, die der Dresdner Stadtrat scheinbar abgesegnet hatte. Prompt rief Michael Sanderling gemeinsam mit Philharmonie-Intendantin Frauke Roth noch vor einem Konzert in Udine das komplette Orchester zusammen, um es auf den aktuellsten Stand zu bringen. Tatsächlich hatte man in Dresden mit der rot-grün-roten Stadtrats-Mehrheit und gegen die Stimme von OB Dirk Hilbert (FDP) einen Doppelhaushalt für 2017/18 beschlossen, bei dem die Dresdner Philharmonie unter dem Strich 250.000 Euro pro Jahr weniger als ursprünglich vereinbart bekommen soll. Zwar war der Gesamtetat tatsächlich von 14,9 Millionen Euro in diesem Jahr auf 18,4 Millionen Euro 2017 erhöht worden. Doch die jetzt fehlende Viertelmillion war bereits für das Personal des im April eröffnenden und von der Philharmonie dann bezogenen Dresdner Kulturpalastes eingeplant gewesen.
Für die Verantwortlichen der Philharmonie hätte man damit Absprachen gebrochen. Weshalb Sanderling sogleich seinen Rücktritt vom Chefdirigenten-Amt verkündete. Glücklicherweise konnte er von dieser wahrscheinlich in der Hitze des Gefechts getroffenen Entscheidung abgebracht werden. Trotzdem hat er seine Konsequenzen gezogen und mitgeteilt, dass „ich nach Ablauf meines jetzigen Vertrages im Sommer 2019 zu keiner Verlängerung bereit bin.“ Die verantwortliche Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) empfindet diese Reaktion mehr als nur ein wenig überzogen. „Mein Eindruck ist: Herr Sanderling hat einen Anlass gesucht, um sich mit Pauken und Trompeten zu verabschieden.“ Aber nicht nur Sanderling ist auf 180, sondern auch Star-Cellist Jan Vogler, der in seiner Funktion als Intendant der Dresdner Musikfestspiele Konzerte im Kulturpalast organisieren soll und nun seinerseits mit 300.000 Euro weniger auskommen muss. Inzwischen hat sich dazu auch die Deutsche Orchestervereinigung zu Worte gemeldet und die Rücknahme der Streichungen gefordert: „Das Orchester und die Musikfestspiele dürfen nicht unter dem parteipolitischen Hickhack zwischen Stadtrat und Oberbürgermeister leiden. Solche Kämpfe auf Kosten der Kultur sind einer Stadt unwürdig, die sich um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 bewerben möchte.“ Wo der stellvertretende Geschäftsführer der Orchestervereinigung, Andreas Masopust, Recht hat, da hat er Recht.

Guido Fischer



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