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Simon Rattle (c) Johann Sebastian Hanel/Askonas Holt

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Die britische Trompeterin Alison Balsom hat nichts dagegen, wenn von ihrem „Supermodel- Aussehen“ die Rede ist. „Ich habe beim Radio angefangen, da konnte man ohnehin nicht viel von mir sehen“, so Balsom in London. Inzwischen sei sie 38 Jahre alt, „ein Alter, wo eine solche Bemerkung schon wieder Genugtuung und sogar Freude bei mir hervorruft“. Gutes Aussehen möge von Vorteil sein, „ist aber in der Musik nicht genug! Ich würde, wenn es vor allem um Äußerlichkeiten ginge, schon längst nicht wieder eingeladen werden.“
Kirill Petrenko, neuer Chefdirigent der Berliner Philharmoniker ab 2019, gab bei seiner Vertragsunterzeichnung im Oktober auf die Frage, welchem Vorgänger unter den Chefs der Berliner Philharmoniker er sich am nächsten fühle, zur Antwort: „Bülow!“ Die Auskunft bezieht sich auf den ersten großen Chef des Orchesters, Hans von Bülow (1830 – 1894). Er, Petrenko, habe bei der Nachricht, er sei zum Nachfolger in Berlin auserkoren worden, schon fast ablehnen wollen. Da habe er sich an Bülow erinnert, der, wie er selber, „in Meiningen und München begonnen“ habe. Na, das war ja knapp!
Karajans letzte Diva, die bulgarische Sopranistin Anna Tomowa-Sintow, ist auch mit 75 Jahren noch aktiv. Sie plant derzeit die (kleine) Rolle der Madelon in Umberto Giordanos Oper „Andrea Chenier“. Beim jährlichen Benefiz- Konzert in Sofia singt sie noch immer große Arien, als Lehrerin bei Meisterkursen ist sie ohnehin noch viel gebucht. Zu schaffen machen ihr nur die Knie. „Schiefe Bühnen, falsche Bewegungen und fehlende Knieschoner“, so Tomowa-Sintow, „machen uns in dem Beruf zu schaffen“. Wenn sie Kolleginnen von einst wie Teresa Berganza – oder früher Joan Sutherland – treffe, gehe es immer zuerst … um die maladen Knochen.
In einem ihrer seltenen Interviews hat Klavier- Legende Martha Argerich ihr Instrument als „anspruchsvollen Liebhaber“ bezeichnet. Sie habe das Klavier drei Mal zu betrügen versucht. In drei Ehen. Und in Gestalt von drei Töchtern! „Am Ende hat das Klavier immer gesiegt und die totale Liebe von mir zurückgefordert.“
Bass-Bariton Franz Mazura, mit 92 Jahren dienstältester aktiver Sänger, bringt seine lange Karriere damit in Verbindung, dass er ein „Späteinsteiger“ sei. Er habe erst mit 26 Jahren das Musikstudium aufgenommen, nachdem er eigentlich Elektrotechnik habe studieren wollen. Durch einen Zufall habe sich die Gelegenheit für ein Privatkonzert auf einem Schiff in Kiel ergeben, bei dem er von dem damals unbekannten Heinz Ehrhardt am Klavier begleitet wurde. „Ein sehr guter Pianist“, so Mazura, „ich hab’ ihn nie wiedergetroffen“. Der Rest ist Wagner-Geschichte. Mazura war einer der wichtigsten Wagner-Bösewichte der Nachkriegszeit.
Die Regierung der britischen Premierministerin Theresa May hat den Plan, einen neuen Konzertsaal in London zu bauen, offiziell fallengelassen. Die Aussicht auf einen neuen Saal war ein Grund dafür gewesen, dass Simon Rattle als Chefdirigent beim London Symphony Orchestra angeheuert hatte. Das Projekt war von vornherein umstritten, da es außer als Zugeständnis an Rattle sonst keine allgemeine Zustimmung fand.
Die italienische Belcanto-Spezialistin Patrizia Ciofi hat seit Jahrzehnten „penibel darauf geachtet, nur um die 40 Vorstellungen pro Jahr zu singen“. Das sagte sie in Berlin, wo sie derzeit in Meyerbeers „Les huguenots“ gemeinsam mit Juan Diego Flórez auf der Bühne steht. „Ich hatte das Gefühl, nicht einen Abend nach dem anderen auf der Bühne stehen zu können. So habe ich es beibehalten“, so Ciofi. Außerdem sei ihr Auftrittsplan „so gestrickt, dass es mir immer noch gelingt, mein Tiramisu selber zu machen“.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 6 / 2016



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