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Kleinteilige Klavierkunst: Der Lego-Flügel von Jeroen van Veen (c) kikproductions.nl

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Van Veen & Sons

Nirgendwo steht geschrieben, dass ein Flügel diese urklassischen Rundungen besitzen muss. Und warum muss in jedem Konzertsaal immer ein schwarzgelacktes Exemplar rumstehen? Alternativen gibt es schließlich doch zuhauf! Gerade der legendäre Designer Colani hat da so manche Flügel auch im Futurismus-Look entworfen, bei denen man sofort an das Cockpit von Commander McLane oder Mr. Spock denken muss. Und so richtig farbenfrohe Tasteninstrumente, die einen leichten Touch vom niederländischen „De Stijl“-Guru Gerrit Rietveld besitzen, gibt es ebenfalls. Den Vogel in Sachen „Ich baue mir einen eigenen Flügel in über zweijähriger Heimarbeit“ hat aber jetzt Rietvelds Landsmann Jeroen van Veen abgeschossen. Als ob der Profi-Pianist nicht nur schon genügend zu tun hätte mit seinen Aufnahmemarathons, die er regelmäßig für das Label „Brilliant Classics“ macht, hat er zwischendurch einen großen Flügel nicht etwa aus Holzpaletten oder Schaumstoffmatten entworfen. Der bekennende „Lego-Freak“ hat aus sage und schreibe 30.000 Lego-Steinen ein Instrument zusammengesteckt. Und wer es wohl aus einiger Entfernung sehen würde, käme niemals auf die Idee, dass das berühmte Kind im Manne bzw. Künstler sich auf diese Weise zurück gemeldet bzw. fachkundig ausgetobt hätte.
Aber auch mit Hilfe seiner Kinder konnte Jeroen van Veen, der sich gerne für musikalische Sonderlinge wie Erik Satie einsetzt, so manche Schwierigkeiten aus dem Weg räumen. So musste man etwa angesichts fehlender gebogener Lego-Steine ganz schön tüfteln, bis man die Kurven eines Flügels hinbekam. Mächtig stolz ist van Veen auch darauf. Und natürlich konnte er nicht anders als sein Meisterwerk mit den Intarsien „Van Veen & Sons” zu signieren. Und wie klingt denn dieses Einzelstück nun eigentlich? Ganz ordentlich, wie sich nachprüfen lässt – auch wenn der Sound von einem eingebauten Keyboard kommt. Stellt sich schließlich nur noch die Frage: Mit welchem Klavierstück könnte man das gute Stück bereits zerlegen, in Grund und Boden spielen? Vielleicht schon mit Schumanns „Träumerei“? Oder doch erst mit Bachs C-Dur-Präludium…

Guido Fischer



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