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Musik-Krimi

Folge 22: Caldara und die „Spanischen Trompeten“

Professor Garcia saß an seinem Schreibtisch. Der Oberkörper war auf die Tischplatte gesunken. Eine blutige Stelle an seinem Kopf zeigte, dass er erschlagen worden war. „Wollen Sie denn nichts unternehmen?“, rief der junge Mann, den die Polizei am Tatort vorgefunden hatte. „Ich habe die Täter doch gesehen. Sie trugen eine Kiste aus dem Haus. Als sie mich sahen, stieß mich einer von ihnen zur Seite, und dann fuhren sie weg. Ich kam hier herein und fand den Professor.“
„Das haben Sie jetzt schon drei Mal berichtet, Herr Baumann“, sagte Kriminalkommissar Reuter ruhig. „Und wir werden der Sache auch nachgehen. Aber vorher möchte ich einen Experten zu Rate ziehen. Ah – da kommt er ja.“ Doktor Stradivari betrat Garcias Haus. Er kannte den Musikwissenschaftler von verschiedenen Vorträgen. Garcia, der aus Madrid stammte, war Experte für Barockmusik.
Nach kurzer Absprache mit Reuter sah sich Stradivari an, was unter Garcias Kopf auf dem Schreibtisch lag. Es war die Fotokopie einer alten Notenhandschrift – laut Deckblatt von Antonio Caldara. „Ein italienischer Bach-Zeitgenosse, der in Wien gewirkt hat und unter Kaiser Karl VI. Vizekapellmeister war“, sagte Stradivari. „Die Handschrift stammt laut Signatur aus der berühmten Dresdener Sammlung ‚Schrank II‘. Es ist ein Stück für Trompeten, Oboen und Streicher.“
„Ganz genau“, rief Baumann. „Darum geht es ja. Professor Garcia glaubte, es handele sich bei dem Stück um ein Werk, das für Kaiser Karl entstand. Besetzt mit spanischen Trompeten – einer besonderen Trompetenform, die er in Madrid entdeckt hat. Die wertvollen Instrumente wurden ihm gestohlen. Ich habe es doch gesehen.“ Er sah Reuter an. „Warum verfolgen Sie die Diebe nicht?“ „Was haben Sie bei Herrn Professor Garcia gewollt?“, fragte Stradivari. „Das habe ich schon erklärt. Ich arbeite für die örtliche Presse und wollte ein Interview mit ihm machen.“
Doktor Stradivari warf einen weiteren Blick auf die Noten. In seinem inneren Ohr entstand die niedergeschriebene Musik. Festliche Dreiklangsmotive in C-Dur. Typische Trompetenfanfaren. „Haben Sie eigentlich die Tatwaffe gefunden?“, fragte er den Kommissar. Reuter nickte. „Ein Eisenrohr, das vor der Haustür lag. Dort haben heute Morgen Handwerker an den Leitungen gearbeitet. Es sind Fingerabdrücke daran.“ „Es würde mich nicht wundern, wenn sie von Baumann stammen“, sagte Stradivari.
Der junge Mann wollte protestieren, aber sie nahmen ihn mit aufs Präsidium, wo sich Stradivaris Verdacht bestätigte. Schließlich gab Baumann zu, Garcia ermordet zu haben. Der Professor hatte sich an die Freundin des Journalisten herangemacht.

Was hat Stradivaris Verdacht erregt?

Doktor Stradivari ermittelt – und Sie können gewinnen!

Wenn Sie die Lösung wissen, schreiben Sie sie an stradivari@rondomagazin.de oder postalisch an RONDO, Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin – bitte auch Ihre Kontaktdaten nicht vergessen! Unter allen Zuschriften verlost RONDO in Kooperation mit dem Label RONDEAU fünf Exemplare der neuen Aufnahme von Antonio Caldaras „Salve Regina“ (mit dem Vokalensemble Berlin und dem Bassano Ensemble Berlin unter Frank Markowitsch). Einsendeschluss ist der 4. November. Viel Glück!


Auflösung aus Magazin 4/2016:

Das angeblich im Antiquariat Perlinger gestohlene Plakat von einer Aufführung des Streichquartetts e-Moll von Giuseppe Verdi – mit der Unterschrift des Komponisten sogar – wäre tatsächlich eine Sensation. Tatsächlich versuchten – wie Stradivari betont – Streichquartett-Gesellschaften in Florenz und andernorts, der Gattung in Italien zum Durchbruch zu verhelfen. Das aber kann mit diesem Werk unmöglich schon 1873, im Jahr der Komposition, geschehen sein, denn Verdi hielt sein Quartett zurück und ließ es nach der Uraufführung erst 1876 in Paris wieder zur Aufführung zu.


Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 5 / 2016



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