Startseite · Künstler · Gefragt

Orquesta Sinfónica Nacional de México

Reisefieber

Es ist deutsch-mexikanisches Jahr: schöner Anlass für eine Europatournee des mexikanischen Klangkörpers – der ersten seit 2008.

Ein Jahr ganz im Zeichen der deutschmexikanischen Partnerschaft. 2016 erhält der Austausch zwischen den beiden Ländern in all seinen Facetten eine besondere Bühne. Dafür eignet sich nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Kultur. Gerade angesichts der Erfolge der venezolanischen Jugendorchester und der El Sistema- Bewegung sind besonders die Mexikaner natürlich daran interessiert, herauszustreichen, dass sie ebenfalls in Sachen klassischer Musik in Süd- und Lateinamerika weit vorn mitmischen.
Und man will nicht nur als Heimat von weltberühmten Tenören wahrgenommen werden, allen voran dem hier aufgewachsenen Spanier Plácido Domingo, aber auch von Ramón Vargas oder Rolando Villázon. So wurde für eine Tournee mit dem Bundesjugendorchester, die auch bei Young Euro Classics im Berliner Konzerthaus Station machte, bewusst die aufstrebende Dirigentin Alondra de la Parra eingeladen.
Zum Jahresende folgt nun, erstmals seit 2008, vom 9. bis 22. November eine eigene Europatournee des Orquesta Sinfónica Nacional de México (OSNM), begleitet vom Trompeter Pacho Flores und der Pianistin Gabriela Montero. Die Tournee umfasst immerhin zehn Konzerte mit einem der renommiertesten und traditionsreichsten Klangkörper dieses Kontinents in Salzburg, Ljubljana, Bielefeld, Erlangen, Friedrichshafen, Wien, Köln und Frankfurt. Selbstverständlich stehen auf dem Programm überwiegend Werke lateinamerikanischer Komponisten, darunter Alberto Ginastera (er wäre dieses Jahr 100 geworden), Astor Piazzolla und Silvestre Revueltas.
Im Wechsel mit Rachmaninows 2. Klavierkonzert wird die als Improvisationskünstlerin gefeierte Montero auch ihr erstes eigenes Klavierkonzert „Concerto Latino“ spielen. Flores, erster Trompeter im Simón Bolívar Symphony Orchestra, ist Gründungsdirektor der Lateinamerikanischen Trompeten-Akademie in Venezuela. Im Mai erschien seine erste Solo-CD, daraus wird er das Trompetenkonzert von Johann Baptist Georg Neruda spielen.
Seit seiner Gründung ist das OSNM, dessen Ursprünge bis in das Jahr 1928 reichen, ein begehrter musikalischer Partner – Dirigenten wie Leonard Bernstein, Georg Solti und Otto Klemperer, aber auch Sänger und Instrumentalisten, darunter Arthur Rubinstein, Mstislav Rostropowitsch, Jessye Norman, Plácido Domingo oder Yo-Yo Ma, schätzten und schätzen das Orchester für seinen Klang. Das OSNM, das im herrlich historistischen Palacio de Belles Artes von 1934 seinen Sitz hat, erhielt zahlreiche Auszeichnungen und mehrfache Nominierungen bei den Latin Grammys.
Auf seiner Europatournee, die eine hervorragende Möglichkeit bietet, die Klang- und Orchesterkultur des fünftgrößten Landes des amerikanischen Kontinents kennenzulernen, wird das Orchester von seinem Chefdirigenten Carlos Miguel Prieto geleitet. Als Sohn des Cellisten Carlos Prieto und Enkel eines der ersten Vorstandsmitglieder des OSNM ist der Dirigent seit jeher mit der mexikanischen Musiklandschaft vertraut – und hat mit bislang über 100 Uraufführungen von Werken mexikanischer und lateinamerikanischer Komponisten einen nicht unbedeutenden Beitrag zur Verbreitung lateinamerikanischer Musik geleistet.


www.osn.bellasartes.gob.mx


Matthias Siehler, RONDO Ausgabe 5 / 2016



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Alisa Weilerstein (30), Cello-Entdeckung von Daniel Barenboim und Solistin des Elgar-Cellokonzertes […]
zum Artikel »

Hausbesuch

Vladimir Horowitz

Seelenfieberkurven in Chicago

Am 26. Oktober 1986 verabschiedete sich der Pianist von seinen Chicagoer Fans mit einem Recital, […]
zum Artikel »




Top