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Olga Peretyatko (c) Scholzshoots People/Sony

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Um auf die Situation von Kriegs-Veteranen in den USA aufmerksam zu machen, unter denen täglich Selbstmorde zu beklagen sind, hat der Dirigent Yannick Nézet-Séguin 22 Tage lang jeden Tag 22 Liegestütze absolviert – in einer als Wettstreit ausgetragenen, öffentlichen Aktion. Videos wurden ins Internet gestellt. Nézet- Séguin wird ab 2020 Chefdirigent der Metropolitan Opera in New York (als Nachfolger von James Levine).
Die argentinische Cellistin Sol Gabetta glaubt, durch ihre neue CD mit dem (ihr gewidmeten) Cellokonzert von Pēteris Vasks viel ernster genommen zu werden. „Eine Karriere, wenn sie sich solide und gut entwickelt, braucht zehn, zwanzig Jahre“, so Gabetta. „Bei mir ist es schneller gegangen, wodurch der Eindruck entstehen könnte, es geht zu schnell.“ Ihr sei klar, dass sie zum Beispiel beim Cello-Konzert von Edward Elgar eher mit ihrer Kollegin Alisa Weilerstein als mit Jacqueline du Pré verglichen werden sollte. „Der Unterschied ist ganz einfach: du Pré war genial.“ Bescheiden ist Gabetta auch bei ihrer Tätigkeit als Hochschullehrerin. An der Musik-Akademie Basel firmiert sie nicht als Professorin, sondern noch immer als „Assistentin“ ihres ehemaligen Lehrers Ivan Monighetti.
Dirigent John Eliot Gardiner will den privaten Bann, den er über den Komponisten Richard Wagner verhängt hatte, brechen. Beim Bachfest Leipzig im Juni nächsten Jahres wird er das „Parsifal“-Vorspiel mit dem Gewandhausorchester dirigieren, so Gardiner in Berlin. „Das bedeutet aber nichts“, so Gardiner, der entsprechende Angebote bislang stets kategorisch abgelehnt hatte. Für ganze Wagner- Opern gebe es bislang keine Pläne ...
Bass Georg Zeppenfeld, umjubelter Gurnemanz im neuen Bayreuther „Parsifal“, hofft, ein gewisses Maß nobler Vierschrötigkeit von seinem Lehrer, dem Wagner-Bass Hans Sotin übernommen zu haben. „Auch mir geht es darum, Blumigkeit zu vermeiden“, so Zeppenfeld in Dresden, wo er lebt. „Es gibt einen Scheideweg zwischen Kunst und Künstlichkeit. Letztere meide ich wie der Teufel das Weihwasser.“
Der russische Pianist Nikolai Demidenko blickte auf Porträtfotos bislang meist finster, sogar bedrohlich drein. Neuerdings lächelt er. „‚Stillhalten!’ haben die Fotografen in der Sowjetunion immer geschrien“, so Demidenko jetzt, „und wollten fertig werden.“ Heutzutage dagegen würden in Windeseile 150 Aufnahmen geknipst – „so dass man von selber lachen muss“. – Demidenko gilt als vorzüglicher Chopin- Spieler, führt dies jedoch nicht auf Spezialistentum zurück. „Im Gegenteil“, so Demidenko zuhause in Spanien, „wenn ich gut – und gerne – Chopin spiele, so liegt das daran, dass ich eben nicht nur ihn spiele“.
Der österreichische Komponist HK Gruber („Frankenstein!“) verdankt seinen Kosenamen „Nali“ nicht, wie bislang angenommen wurde, einer Neigung zum Schnarchen. Als Kind habe er den Wiener Sängerknaben angehört, so Gruber, die „damals in Schlafsälen zu zehnt untergebracht“ waren. „Die Legende besagt, ich hätte im Schlaf gelallt. Und zwar: ‚Nalinali’“. Der Name habe so „dadaistisch“ geklungen, dass er ihn auch später beibehalten habe. „Die Wiener Sängerknaben, wie Sie sehen, sind künstlerisch immer viel anarchistischer gewesen als man denkt.“
Die russische Sopranistin Olga Peretyatko kauft ihre Auftrittsgarderobe von der Stange. Das funktioniere durchaus. „Ich weiß, dass ich keinen Puderton tragen kann. Auch kein Weiß und kein Hellblau. Violett und Rot dagegen gehen gut bei mir, Schwarz sowieso. Was ich hasse, sind zu enge Kleider“, so Peretyatko in ihrer Wohnung in Berlin. „Ich muss mich aufblasen können, ohne dass es irgendwo platzt und zwickt.“ Aber das seien alles ganz einfache Regeln, so Peretyatko. „Der Rest ist purer Einkaufsspaß.“

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 4 / 2016



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