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Neue Gesichter

Alles auf Anfang: junge Musiker, die Sie sich merken sollten.

Michail Lifits: Geige ist langweilig

Wenn man sich schon als 5-Jähriger einfach an ein Klavier setzt und versucht, ein Kinderlied nach Gehör zu spielen, kann das ein Signal sein. Für die Eltern von Michail Lifits war es das jedenfalls, als sie diese Szene bei einem Familienurlaub beobachteten. Und so hieß die nächste Station Musikschule. Doch da kam der kleine Michail in die Geigenklasse, und das war so gar nicht seine Welt. Geigenspiel war doof und langweilig, das Interesse deshalb gleich null. Glücklicherweise landete er dann doch noch bei seinem Wunschinstrument, auf dem er mit zarten 13 Jahren mit dem zweiten Klavierkonzert von Rachmaninow debütierte. Nun präsentiert er seine Debüt-CD bei Decca mit einem reinen Mozart- Programm. Seinen zweiten Karrieretraum „Pilot“ hat er für seine Pianistenlaufbahn zwar erst einmal ad acta gelegt, er gibt aber die Hoffnung nicht auf, eines Tages vielleicht selbst mit einer Maschine zu seinen Auftritten zu fliegen.

Philipp Mathmann: der operierende Sopranist

Tagsüber arbeitet er an seinem Doktor in Medizin, abends steht er auf der Bühne. So könnte man das Doppelleben von Philipp Mathmann auf den Punkt bringen. Musik war schon immer seine Leidenschaft. Bereits als Jugendlicher hat er in Jazzbands gespielt, mit 17 auch erstmals Gesangsunterricht genommen – damals noch als Bariton. Doch dann zeigte sich sein besonderes Talent in den hohen und höchsten Sphären, als er im Chor den Sopran mitgesungen hat, wenn seine Stimmgruppe gerade pausierte. So startete er parallel zum Medizinstudium seine professionelle Gesangsausbildung bei Kai Wessel. Mittlerweile wechselt der Lippstädter regelmäßig zwischen Hörsaal und Konzertsaal. Und will das auch erst einmal weiterhin so handhaben: Seinen Dr. med. hat er schon so gut wie in der Tasche, sich zwischen seinen beiden Lieben entscheiden kann und will er momentan noch nicht. Auf CD ist seine Stimme noch nicht zu hören, doch wird sich dies zweifellos bald ändern. Falls er sich nicht doch für die Medizin entscheidet.

Emmanuel Ceysson: im Mutterleib – Mozart!

In den Klang "seines" Instrumentes verliebte sich Emmanuel Ceysson mit gerade einmal sechs Jahren. Der zweite Satz von Mozarts Doppelkonzert für Flöte und Harfe war es, der ihn so gefangen nahm, dass er die CD quasi in Endlosschleife spielte. Das Werk gehört auch zu den Lieblingsstücken seiner Mutter, die es, so die Familiengeschichte, während ihrer Schwangerschaft immer wieder hörte – und so den künftigen Harfenisten in Emmanuel weckte. Doch noch in anderer Hinsicht ist der 28-jährige Franzose durch seine Mutter vorbelastet: Als gebürtige Érard stammt sie von genau dem Mann ab, der vor 200 Jahren mit seiner Doppelpedalmechanik die bis heute gebräuchliche Form der Harfe schuf. Insofern war es ihm fast schon in die Wiege gelegt, 2009 den Sieg beim ARD-Musikwettbewerb davonzutragen, einem der weltweit renommiertesten und härtesten. Jetzt stellt Ceysson bei naïve seine erste Einspielung vor, ein wunderschönes Programm mit Opernparaphrasen. Ganz ohne Mozart allerdings.

Michael Blümke, RONDO Ausgabe 5 / 2012



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