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Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Die deutsche Sopranistin Diana Damrau findet, dass nach der vor einem halben Jahr erfolgten Geburt ihres zweiten Sohnes (Colyn) die Stimme „wärmer und runder“ geworden ist. „Das kann passieren“, so Damrau an ihrem Wohnort Zürich. „Ich habe jetzt mehr dramatische Farben, und trotzdem ist die Höhe noch da.“ Sie wolle sich stärker dem Belcanto zuwenden. „Jetzt kann ich’s wagen.“
Auch Kiri Te Kanawa (69), eine der beliebtesten Sängerinnen der 80er und 90er Jahre (gegenwärtig in einer Nebenrolle von Donizettis „La fille du régiment“ zurück auf der Bühne in Wien, London und New York), hat die Welt der Oper mit der Welt der Hunde vertauscht. „Schluss mit der Oper! Her mit den kleinen Hunden“, sei ihre Parole, so Te Kanawa bei einem Interview in Wien. Sie führt zwei Pommersche Zwergspitze an der Leine. „Designer dogs“, so Te Kanawa. Betont jedoch, diese seien immerhin „in Glyndebourne“ geboren.
Die kanadische Pianistin Janina Fialkowska (62), einzige große Schülerin von Arthur Rubinstein, hat fast zehn Jahre nach ihrer Krebs-Erkrankung ihre Konzert-Karriere auch in Deutschland wiederaufgenommen. 2001 wurde bei ihr ein Tumor im linken Arm diagnostiziert, der sie zum Abbruch ihrer Karriere zwang. Nach mehreren Muskelverpflanzungen musste sie neu Klavierspielen lernen. „Ich wünschte, niemand wüsste darum, doch das kann ich nicht mehr ändern“, so Fialkowska. „Alle Künstler wollen beweisen, dass sie zu Recht auf der Bühne sind“, so Fialkowska. „Ich muss zusätzlich beweisen, dass man mir nicht aus Mitleid applaudiert.“ Alle neueren CDs der Pianistin haben ausgezeichnete Besprechungen erhalten.
Tenor Roberto Alagna, frisch geschiedener Ehemann von Angela Gheorghiu, ist mit der polnischen Sopranistin Aleksandra Kurzak liiert.
Pianisten-Legende Dmitri Bashkirov (81), Lehrer von Arcadi Volodos, Nikolai Demidenko und Elena Bashkirova (sowie Schwiegervater von Daniel Barenboim), mokiert sich über junge Pianisten von heute. „Lang Lang ist sehr musikalisch“, so Bashkirov bei einem Meisterkurs. „Aber bei ihm ist der Zirkus-Anteil zu groß. Auch hat er mir stolz verkündet, dass er noch nie im Leben ein Buch gelesen habe.“ Das Schlimmste aber, so Bashkirov, sei Khatia Buniathishvili. „Total geschmacklos, total übertrieben. Und total ordinär“, so Bashkirov. „Sie hat das schlimmste Chopin-Konzert meines Lebens gespielt.“
In die Internet-Diskussion um Sänger, die immer teurer und immer unzuverlässiger werden, hat sich jetzt auch der ehemalige Intendant der Wiener Staatsoper, Ioan Holender, eingeschaltet. „Festengagierte Ensemblemitglieder werden immer schlechter, gastierende Sänger immer besser bezahlt“, so Holender in einem Beitrag in der Tageszeitung „Die Welt“. „Jeder Sänger versucht folglich so schnell wie möglich aus einem Festvertrag wegzukommen und als Freischaffender zu wirken, um keine der sich bietenden Auftrittsmöglichkeiten zu versäumen.“ So ruinierten sich die Sänger vorzeitig. Auch gebe es immer weniger Theaterleiter, die über das Knowhow verfügten, Sänger für längere Zeit fest zu binden. „Intendanten, die keine Nähe zur Vokalkunst haben, werden sich hüten, Festverträge zu machen. Denn dann haben sie Permanentkosten für 3 Jahre.“ So würden immer mehr Sänger auf den freien Markt geworfen. Der sie allzu rasch verschleißt.
Die neue Intendantin der Seefestspiele Mörbisch, Dagmar Schellenberger, kann die Gerüchte nicht mehr hören, sie habe ein Mitglied der Findungskommission besser gekannt als andere Bewerber. „Unterstellungen dieser Art kamen nur aus einer einzigen Richtung, von jemandem, der es nicht geworden war“, sagte sie in Wien. Schellenberger, eine der Sänger-Protagonistinnen der Ära von Harry Kupfer an der Komischen Oper Berlin, galt als Überraschungssiegerin um die Nachfolge beim größten Operetten-Festival der Welt. Sie startet mit Millöckers „Bettelstudent“. Im nächsten Jahr folgt „Anatevka“.
Kristian Bezuidenhout (33), Pianist, Cembalist und Hammerklavier-Spieler mit Wohnsitz in London, ist nicht wiederzuerkennen. Nicht nur hat er die SchubertBrille, die früher sein Markenzeichen war, abgesetzt. In den letzten vier Jahren habe er, so Bezuidenhout in Berlin, „55 Kilo abgenommen“.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 3 / 2013



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