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Musik-Krimi

Folge 20: Die Musik des Todes

Musik, die töten kann …“ Dr. Stradivari, der mit dem Neurologen Professor Stettner unterwegs war, schüttelte den Kopf. „Glauben Sie, dass es so etwas gibt?“ „Wenn der Unbekannte, der uns treffen will, die Unterlagen von Dr. Glasner besitzt, werden wir das bald wissen“, sagte Stettner.
Glasner, ein bekannter Arzt und Musikwissenschaftler, der sich mit den Todesarten großer Musiker befasst hatte, war vor kurzem ums Leben gekommen. Nun bot ein Unbekannter Stettner ein Dossier aus dessen Nachlass an. Angeblich hatte Glasner herausgefunden, dass bestimmte harmonische Kombinationen auf das menschliche Nervensystem tödlich wirken konnten. Man munkelte, er sei bei einem Selbstversuch umgekommen. Offiziell war er an Herzversagen gestorben. Die Polizei ermittelte deshalb nicht.
Der Treffpunkt war das Wagnerdenkmal in Leipzig. Als sie dort eintrafen, lehnte ein dunkel gekleideter Mann am Sockel. „Haben Sie das Geld?“, fragte er. „Erst möchten wir wissen, ob Sie wirklich im Besitz von Glasners Forschungsergebnissen sind“, sagte Stettner. Der Mann öffnete eine Tasche und zeigte eine dicke Mappe. „Hier. Wie Sie vielleicht wissen, war er kein Freund von Computern. Er notierte alles mit der Hand.“
„Woher haben Sie die Sachen?“, fragte Stradivari. „Ich war sein Schüler.“ Jetzt erkannte der Doktor, dass der Mann noch recht jung war. „Ich war dabei, als er seine große Entdeckung machte. Die Todesenergie in der Musik von Wagner. Sie hat schon so manchen das Leben gekostet. Zum Beispiel zwei berühmte Dirigenten.“ „Sie meinen Felix Mottl und Joseph Keilberth,“ sagte Stradivari überrascht. „Sie brachen beide tödlich zusammen, als sie gerade Wagner dirigierten. Mottl 1911, Keilberth 1968.“
„Genau. An einer ganz bestimmten Passage im ‚Ring des Nibelungen‘. Glasner hat herausgefunden, dass es kein Zufall war. Die tödliche Bedrohung geht von der Musik selbst aus – wenn noch andere Umstände gegeben sind. Eine bestimmte Akustik zum Beispiel. Er hat umfangreiche Analysen gemacht.“ Der Mann öffnete die Mappe und zeigte eine Seite mit dem Notenbeispiel des so genannten „Schwertmotivs“ und langen Zahlenkolonnen. „Wir treffen uns in einer Stunde noch einmal“, sagte Stradivari. „Dann erhalten Sie das Geld.“
Der Mann nickte. „Aber keine Tricks. Ich werde sonst dafür sorgen, dass das hier niemand zu sehen bekommt.“ „Wir müssen die Polizei benachrichtigen“, sagte Stradivari, als sie wieder am Auto waren. „Da stimmt einiges nicht.“ Stettner schüttelte den Kopf. „Aber die Erkenntnisse sind immens wertvoll. Sie müssen gerettet werden.“ „Erkenntnisse? Der Mann ist doch ein Schwindler. Haben Sie das nicht gemerkt?“
Wie kommt Dr. Stradivari darauf?

Doktor Stradivari ermittelt - und Sie können gewinnen!

Wenn Sie die Lösung wissen, schreiben Sie sie an stradivari@rondomagazin.de oder postalisch an RONDO, Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin – bitte auch Ihre Kontaktdaten nicht vergessen! Unter allen Zuschriften verlost RONDO in Kooperation mit harmonia mundi fünf Exemplare der neuen CD des Ensembles Pygmalion unter Raphaël Pichon, das auf „Rheinmädchen“ Chorsätze der Romantik von Wagner, Schubert, Schumann und Brahms versammelt hat. Einsendeschluss ist der 8. August. Viel Glück!


Auflösung aus Magazin 2/2016:

Es ist nur ein Detail in einem Nebensatz: John Smith, der Baron von Hochstetten eine alte Kopie der berühmten „Lady Inchiquin“-Stradivari zum Kauf angeboten hat, erwähnt gegenüber Dr. Stradivari – den Hochstetten als Fachmann zum Gespräch dazu gebeten hat –, wofür seiner Ansicht nach Kolophonium benötigt wird, zum Glätten der Bogenhaare. Damit offenbart er sich als ahnungslos und seine Geschichte als Schwindel, denn Kolophonium macht den Bogen vielmehr erst griffig, so dass er die Saiten zum Schwingen anreißen kann. Pech gehabt!


Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 3 / 2016



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