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Daniel Barenboim und Jürgen Flimm holen Wim Wenders an die Staatsoper (c) Thomas Bartilla/staatsoper-berlin.de

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Unterm Opernhimmel von Berlin

Als einmal die „Opernwelt“ traditionell auf die zu Ende gegangene Spielzeit zurückblickte, bekamen gleich drei Regie-Debütanten quasi die Goldene Zitrone verliehen. Es waren die im Filmgeschäft beheimateten Regisseure und Produzenten Doris Dörrie, Volker Schlöndorff und Bernd Eichinger, die mit ihren Inszenierungen ein einziges „Desaster“ geboten hatten. Trotzdem trauen sich weiterhin Filmschaffende ans fremde Metier. Wie zuletzt Michael Haneke sowie Christoph Waltz, die mit ihren Arbeiten keine Bäume ausgerissen haben bzw. im Fall von Waltz krachend gescheitert sind. „Sie machen meist die Rechnung ohne den Wirt, nämlich ohne die Musik. Die kommt ja nicht dazu, von ihr geht vielmehr alles aus. Da sind viele vollkommen hilflos.“ Mit dieser Diagnose hat 2015 kein Geringerer als Opernregie-Legende Peter Konwitschny das Scheitern der Opernregie-Dilettanten beschrieben.
Immerhin sorgen ihre bekannten Namen für reichlich Aufmerksamkeit und Pressewirbel. Wie jetzt gerade erst, als in Berlin das Programm für die kommende Saison der Staatsoper vorgestellt wurde. Und GMD Daniel Barenboim und Intendant Jürgen Flimm konnten nun mit einer Personalie aufwarten, mit der wohl die wenigsten gerechnet hatten. Im Juni 2017 wird Regisseur Wim Wenders seine erste Oper inszenieren. Ausgesucht hat er sich dafür Bizets „Perlenfischer“ – und zwar aus einem ganz simplen Grund: diese Oper war die allererste, die er gesehen habe.
Schön, wenn einem sein erstes Opernerlebnis ein Leben lang begleitet. Qualifiziert das aber jemanden schon für eine Einladung an ein solches Renommierhaus? Andererseits hat Wenders in seiner künstlerischen Vita ja nicht nur Filmklassiker wie „Der amerikanische Freund“, „Paris, Texas“ und „Der Himmel über Berlin“ stehen. 2011 war er immerhin im Gespräch mit den Bayreuther Festspielen, dort den „Ring“ zu übernehmen (Wenders bekam jedoch kalte Füße und zog sein Interesse zurück). Nun also nimmt er zum zweiten Mal Anlauf. Dass bei der Premiere Daniel Barenboim am Pult stehen wird, könnten die größten Pessimisten aber durchaus als schlechtes Omen sehen. Schließlich mag sich noch so mancher an die von Barenboim geleiteten Opernreinfälle von Doris Dörrie und Bernd Eichinger erinnern.

Guido Fischer



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