Startseite · Klang · Magazin

Magazin

Erlesen!

„L’Art de toucher de clavecin“ nannte François Couperin sein pädagogisches Manifest, mit dem er fortan allen Cembalisten das nötige Einmaleins an die Hand gab. Darin hatte Monsieur nämlich die hohe Kunst des nuancierten Artististik zum Zwecke des seelischen Anrührens beschrieben. Bekanntermaßen beließ es Couperin nicht bei trockenen Anweisungen, sondern komponierte ein riesiges Noten- Konvolut, das von verspielter Leichtigkeit bis auch zum melancholischen Seelenbeben alle Register des idealen „toucher“ vorgibt. Und auch welch pralle Sinnlichkeit sich dabei einem uralten Cembalo entlocken lässt, hat schon vor über zehn Jahren Michael Borgstede vorgemacht, als er auf stolzen elf CDs Couperins wertvollen Miniatur-Kosmos „4 Livres Livres de pièces de clavecin“ einspielte. Diese meisterhafte Gesamteinspielung dieses Wunderwerks nimmt nun einen Löwenanteil einer Box ein, die einen grandiosen Überblick über die französische Cembalomusik aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts bietet. Bei den Einspielungen, die zwischen 2004 und 2015 für das vorbildliche Low Budget-Label „Brilliant Classics“ entstanden sind, begegnet man natürlich sämtlichen komponierenden Schwergewichten jener Zeit wie Rameau, Louis Marchand und Jacques Duphly. Und ob sich bei diesem verlockend schönen und geistvollen Reigen nun Könner ihres Fachs wie Pieter-Jan Belder, Francesco Cera und Franz Silvestri an den herrlich körperreich klingenden Cembali abwechseln – man fühlt sich aufs Angenehmste berührt und unterhalten.

French Harpsichord Music (29 CDs)

Brilliant/Edel

Guido Fischer, RONDO Ausgabe 2 / 2016



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Gefragt

Sophie Karthäuser

„Wo die Zitronen blühn“

Bislang gärtnerte die Sopranistin im Barockrepertoire und beim Mozart-Gesang. Nun hat sie Lieder […]
zum Artikel »

Hörtest

Mendelssohn: „Italienische“ Sinfonie

Noch immer wird Felix Mendelssohn Bartholdy unterschätzt. Dabei ist seine Musik mehr als flirrende […]
zum Artikel »




Top