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(c) Patrick Berger

Movimentos 2016

Von Herzen

Man hat etwas abgespeckt, doch beim Wolfsburger Festival „Movimentos“ heißt das Konzentration. Im Motto-Zeichen der „Liebe“.

VW ist immer in Bewegung, Räder sollen sich schließlich drehen. Zum zehnten Mal heißt es in der Wolfsburger Autostadt nun im Frühling „Movimentos“. Und da bewegen sich vor allem Tänzerbeine, Musikerhände und Schauspielermünder, denn der Themenpark des Fahrzeugkonzerts, der gleichzeitig auch als seine Kommunikationsplattform fungiert, gönnt sich Kultur und lässt die Region daran teilhaben. Diesmal ereignet sich das von Anfang an auch überregional wahrgenommene Festival vom 2. April bis zum 10. Mai als groß angelegter Reigen mit renommierten Tanzensembles, Lesungen berühmter Akteure und Konzerten wichtiger Nachwuchskünstler.
Und auch wenn man den konzertinternen Budgetturbulenzen mit 20 Prozent Kürzungen seinen Tribut zollen muss und will – VW stand 2015 schließlich nicht nur für positive Schlagzeilen –, so ist sich Maria Schneider, die Kreativdirektorin der Autostadt, doch sicher, dass das sehr bewusst gewählte Programmmotto „Liebe“ auch und gerade 2016 für konzentrierte, aber gute Stimmung sorgen wird: „Denn vor allem im Tanz ist die Liebe sehr schnell gefangen in der Zweisamkeit – wunderschön, ohne Zweifel. Zum Beispiel in der Arbeit von Akram Khan, der die Unmöglichkeit der Liebe darstellt, oder wie bei der Tanzcompagnie Aterballetto, die von Gegensatz und Harmonie geprägt ist. Wichtige Themen wie die Nächstenliebe oder die freundschaftliche Liebe dürfen aber auch nicht vernachlässigt werden. Dafür steht etwa Abou Lagraa mit der Compagnie La Baraka – ein sehr aktuelles Stück.“
Und so umfassen die Sparten Tanz, Jazz, klassische Matineen und Soireen, szenische Lesungen und Schauspiel dieses Jahr insgesamt immer noch 61 Veranstaltungen. Das große Lebensthema der Menschen, eben die Liebe, findet sich aber besonders in den ausstrahlungskräftigen, immer schnell ausverkauften Tanzgastspielen wieder. Den Auftakt der insgesamt fünf internationalen Tanzensembles macht am 8. April die Kompanie von José Montalvo: Der hier schon mehrfach eingeladene französische Choreograf mit spanischen Wurzeln zeigt mit der Deutschlandpremiere des Stücks „Y Olé!“ ein rauschhaftes Frühlingsfest, das Strawinskis wilden „Sacre du printemps“ mit Elementen des Hip-Hop, Flamenco und der Populärmusik verbindet. Ihm folgt La Baraka mit „Le cantique des cantiques/ Das Hohelied“, wo die im biblischen Text dargestellten Formen der Liebe in sinnlichen Tanz übersetzt werden.
Diesjähriger Movimentos-Höhepunkt dürfte der in London ansässige Choreograf Akram Khan werden. Er greift in seiner neuesten Arbeit „Lions“ eine Geschichte aus dem weltbekannten indischen Versepos Mahabharata auf und erforscht darin Themen wie Geschlechterrollen, Sexualität und die Auswirkungen der Zeit auf den menschlichen Körper. Mit dem dreiteiligen Abend „Conceal I Reveal“ (Verbergen/Enthüllen) gastiert die Russell Maliphant Company. Dieser gibt Einblick in die langjährige Zusammenarbeit von Maliphant mit dem Lichtdesigner Michael Hulls. Und mit der Compagnia Aterballetto kehrt eines der ästhetisch anspruchsvollsten Tanzensembles Europas in die atmosphärische Spielstätte KraftWerk zurück. Gezeigt werden „Lego“ von Giuseppe Spota und „Antitesi“ von Andonis Foniadakis.


Movimentos – Festwochen der Autostadt

„Liebe“ (2.4. – 10.5.)
Tickets: (08 00) 2 88 67 82 38
oder unter www.eventim.de
www.movimentos.de


Matthias Siehler, RONDO Ausgabe 2 / 2016



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