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Bald leer? Das Grab von Sergei Rachmaninow (c) Anthony22/Wikimedia Commons

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Russische Seelenkäufer

Schon 2013 sorgte Vladimir Putin für einige Schlagzeilen, als er sich an einen großen Sohn Russlands erinnerte. Es war Sergei Rachmaninow, der bekanntermaßen vor den Sowjets Reißaus nehmen musste und nach Stationen u.a. in der Schweiz 1943 seine letzte Ruhestätte auf einem amerikanischen Promifriedhof unweit von New York fand. Genau 70 Jahre später kam Putin nun auf die Idee, Rachmaninows Schweizer Villa erwerben zu lassen und sie damit zum noblen Aushängeschild russischer Kultur umzufunktionieren. Doch bis heute scheint man sich mit der Erbengemeinschaft des Komponisten und Pianisten nicht über Kaufpreis und Nutzung einigen zu können.
Da der angebliche Rachmaninow-Fan Putin aber wohl partout ein repräsentatives Originalstück des auch offiziell zum Klassenfeind übergelaufenen Schöpfers berühmter Klavierpiècen besitzen möchte, hat er jetzt seinen Kulturminister mit einem gewagten Plan an die Front geschickt. Wladimir Medinski, so der oberste Herrscher über die russische Kulturszene, will tatsächlich für seinen Chef die sterblichen Überreste Rachmaninows ausbuddeln und nach Nowgorod nördlich von Moskau überführen lassen, wo eine Gedenkstätte errichtet werden soll. Rachmaninows Nachfahren sind aber von dieser Idee wenig begeistert. „Der Versuch, den Leichnam Rachmaninows nach Russland zu überführen, stört nicht nur seine Ruhe, die er so gesucht hat, sondern ist auch ohne Respekt für sein Gedenken“, so die Ururenkelin Susan-Sofia Volkonskaya-Wanamaker. „Russland interessiert sich nur für den Namen des Komponisten, und wie es ihn zum eigenen Vorteil nutzen kann.“ Mit dieser Einschätzung scheint sie gar nicht so falsch zu liegen. Denn wenn es Putin, Medinski & Co. wirklich um das wahre Andenken des geflohenen Sohns gehen würde, hätte man es wohl nicht zugelassen, dass der Internationale Rachmaninow-Pianisten-Wettbewerb in Moskau seit 2008 wegen Geldmangel nicht mehr stattfinden konnte.

Guido Fischer



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