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Kommandobrücke für Klangkultur (c) Johannes Arlt/hamburg.de

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Der Wow-Effekt

„Das ich das noch erleben darf.“ Mit diesen Worten hat sich Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler dieser Tage ziemlich erfreut gezeigt. Denn lange sah es so aus, als ob jener Konzertsaal, der für mächtige Diskussionen gesorgt hatte, wohl nie den Ist-Zustand von heute erreichen würde. Immer wieder wurde der Bau der Elbphilharmonie unterbrochen. Und die Kosten, sie explodierten in ungeahnte Höhen: aus den geplanten 77 Millionen Euro werden bei Eröffnung wahrscheinlich 789 Millionen geworden sein. Doch möglicherweise wird selbst der arg gebeutelte Hamburger Steuerzahler bald mit ein wenig Stolz auf das neue Wahrzeichen der Hansestadt schauen. Denn nicht nur von Außen macht der vom Architekturbüro Herzog & de Meuron entworfene Glasbau mittlerweile mächtig was her. Die jetzt stolz der Presse präsentierte, fertig montierte Innenverkleidung des großes Konzertsaals ist allein beeindruckende Handwerkskunst. „Weiße Haut“ wurde dieses riesige, aus 10.000 Platten bestehende Puzzle getauft, bei dem keine der anderen gleicht. Manche der reliefartig gefrästen Gipsfaserplatten wiegen 35 Kilogramm, andere wiederum 200 Kilogramm. Und unter Strich sollen sie nach den Plänen des japanischen Akustikers Yasuhisa Toyota auch auf einer Fläche von 6000 Quadratmetern für einen Edelklang sorgen, an dem man sich auf jedem der insgesamt 2100 Plätze nicht satthören soll.
Nachdem also nun dieses spektakuläre Stück Innenarchitektur der Öffentlichkeit vorgestellt werden konnte, soll es jetzt Schlag auf Schlag gehen. Demnächst bekommt die Elbphilharmonie-Orgel ihren angestammten Platz. Und im April will Intendant Christoph Lieben-Seutter bereits das Konzertprogramm für das erste Halbjahr in der Elbphilharmonie bekanntgeben, die am 11. & 12. Januar 2017 mit Konzerten vom NDR Sinfonieorchester unter Leitung von Thomas Hengelbrock eröffnet wird. Und vielleicht hat man bis dahin auch einen besonderen Wunsch von Architekt Jacques Herzog verinnerlicht: „Ich hoffe, dass wir nie wieder von der ‚weißen Haut‘ sprechen. Die Platten mit den gefrästen Löchern sehen ja eher aus wie Krustentiere, wie Muscheln.“ Vorschläge für einen maritimen Spitznamen sind herzlich willkommen.

Reinhard Lemelle



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