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Bernsteinfund: Jaap van Zweden (c) Hans van der Woerd/imgartists.com

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Die Nr. 26 ist: Yahp van ZVAY-den!

Wenn das mal keine faustdicke Überraschung ist. Wenn sich schließlich ein Orchester wie die New York Philharmonic auf die Suche nach einem neuen Chefdirigenten macht, sollte der Gekürte eigentlich aus der A-Promi-Liga stammen. Doch nichts da: Der 26. Musikdirektor wird nicht Riccardo Muti, Christian Thielemann oder – auf den letzten Karrieremetern – Daniel Barenboim heißen. Der Nachfolger vom 2017 scheidenden Alan Gilbert heißt Jaap van Zweden! Oder Yahp van ZVAY-den, wie die „New York Times“ den Namen des Niederländers gerade erst für ihre Leser ins Lautsprachliche übersetzt hat. Da muss man schon zwei Mal hinschauen: Obwohl der 55-Jährige natürlich reichlich internationale Erfahrung vorweisen kann, so gehörte er nicht unbedingt zu den Top-Kandidaten auf dem Dirigentenkarussell. Seine Qualitäten spielte er vorrangig bei sehr solide arbeitenden Orchestern aus. So leitete er drei Jahre lang das Royal Flemish Philharmonic Orchestra und übernahm 2008 gleichzeitig die Leitung des Dallas Symphony Orchestra, bei dem er noch bis 2019 unter Vertrag ist. Außerdem wurde er 2012 beim Hong Kong Philharmonic Orchestra als Chefdirigent verpflichtet.
Aber Jaap van Zweden hatte sich wohl schon 2012, bei seinem Debüt bei der New York Philharmonic, nachhaltig für diesen Top-Job empfohlen. Damals begeisterte er u.a. mit Mahlers 1. Sinfonie und damit mit jenem Werk, mit dem er zum Dirigieren wie die Jungfrau zum Kinde gekommen war. Denn es war im Jahr 1990, als er in der Funktion als Konzertmeister des Amsterdamer Concertgebouw Orchestra und mit Leonard Bernstein in Berlin gastierte. Bei der Probe von Mahlers 1. Sinfonie bat Bernstein ihn, kurz das Orchester zu übernehmen. Van Zweden hatte nie zuvor vor einem Orchester gestanden. Und nach der Orchesterprobe meinte Bernstein nur: „Es war zwar ziemlich schrecklich – aber ich habe da etwas gesehen, das für ein vielsprechendes, ausbaufähiges Talent spricht.“ Van Zweden nahm sich Bernsteins Ratschlag zu Herzen und studierte Dirigieren.
Nun also tritt er offiziell in der Saison 2018/19 seinen neuen, zunächst auf fünf Jahre befristeten Posten in New York an. Und schon jetzt muss er sich neben der traditionellen Planung der gemeinsamen musikalischen Zukunft als Aushängeschild des Orchesters präsentieren, um potentielle Sponsoren anzulocken. Denn für 2019 steht eine umfangreiche Renovierung der Spielstätte der New Yorker Philharmoniker, der David Geffen Hall an, für die rund 380 Millionen Dollar veranschlagt worden sind.

Guido Fischer



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