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Klassischer Durstlöscher: Vasily Petrenkos Ale im Ausschank der Orchesterbar (c) mad hatter brewery

Pasticcio

Zosch!

Wer noch kein Weihnachtsgeschenk hat, kann mit folgenden Tipps absolut nichts falsch machen. Da bietet sich die 56 CD-starke Box „Igor Strawinsky – The Complete Album Collection“ an. Mit den „Unreleased Live Recordings 1966 – 1983“ von Vladimir Horowitz auf 50 CDs lässt sich auch der Vogel abschießen. Und mit den auf 114 CDs verteilten „Alfred Brendel - Complete Philips Recordings“ ist das Fest auf jeden Fall gerettet. Woher wir das wissen? Nun, bisher hätte man vielleicht vermutet, dass die Tonträgerindustrie mit solchen dicken CD-Boxen im Zeitalter des Downloads und Streamings ein Minusgeschäft machen würde. Aber eine aktuelle Umfrage, die der Bundesverband Musikindustrie in Auftrag gegeben hat, vermeldet Überraschendes. Nicht nur hat man repräsentativ erfahren, dass sage und schreibe 70 Prozent der Deutschen „gern“ oder „sehr gern“ eine Musik-CD bekommen würden. 57 Prozent würden sich zudem über außergewöhnlich gestaltete CD-, Vinyl- oder DVD-Sondereditionen freuen. Umgekehrt planen in diesem Jahr 43 Prozent der Deutschen, musikbezogene Geschenke zu verschenken. Was für gute Nachrichten – findet auch BVMI-Geschäftsführer Florian Drücke: „Die Zahlen spiegeln die aktuelle Marktentwicklung in Deutschland insofern wider, als die CD dort immer noch für knapp zwei Drittel der Umsätze sorgt. Musikprodukte zum Anfassen nehmen in den Herzen der Fans nach wie vor einen großen Platz ein, das unterstreicht auch die große Beliebtheit aufwändiger Sondereditionen.“
Was für ein musikbezogenes Weihnachtspräsent zum Anfassen kann man aber jemanden unter den Tannenbaum legen, der nun wirklich alles besitzt, was täglich auch an limitierten Klassik-Boxen veröffentlicht wird? Wir hätten da ganz was Ausgefallenes vorzuschlagen. Wie wäre es mit einer Flasche oder gleich mit einem Kasten Bier? Klingt zunächst vielleicht weniger originell. Aber wenn der Paketdienst mit einer Sendung aus Liverpool anklingelt, wird es schon interessanter. Tatsächlich hat in der Beatles-Stadt eine Brauerei gemeinsam mit Vasily Petrenko, dem Chefdirigenten des Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, ein waschechtes Ale kreiert. Das „Vasily Petrenko Ale” wird aus amerikanischem Hopfen hergestellt und hat ein leichtes Zitrusaroma. Und wenn man den Maestro auf dem Etikett so grinsen sieht, scheint dieses Craft Beer in der Kehle richtig zu zoschen. Wer also mit solch einem etwas anderen Klassikgeschenk am Heiligabend für große Augen sorgen möchte, muss sich fix mit der entsprechenden Bierquelle in Liverpool in Verbindung setzen (www.beerheroes.com). Und vielleicht macht dieses Gebräu ja Schule: Wie wäre es etwa 2019 mit der Berliner philharmonischen Sonderedition „Kirill Petrenkos Berliner Weisse“?

Guido Fischer



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