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Eintritt in die 360°-Erfahrung (c) Google Cultural Institute/Berliner Philharmoniker

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Digitale Kulturtempelvisite

Seit 2011 ist Amit Sood viel unterwegs. Denn als Direktor eines weltweit agierenden Kulturinstituts erhält er am laufenden Band Einladungen aus internationalen Metropolen und von lokalen Weltmarken, die ebenfalls Teil von Soods „Cultural Institute“ werden wollen. Gerade war er in Berlin, um zwei neue Mitglieder zu begrüßen. Es sind die Staatsoper sowie die Berliner Philharmoniker, die sich ab sofort per Video, Bild und Ton im Internet vor- und darstellen können. Denn das „Cultural Institute“ ist ein etwas anderer kultureller Globalplayer. Als Teil der großen Google-Familie hat man es sich zur Aufgabe gemacht, kulturelle Schätze und Institutionen auf einer Plattform so zu präsentieren, dass man beim Surfen nicht nur seinen Bildungshorizont erweitert. Jede der inzwischen 60 Institutionen aus rund 20 Ländern erhofft sich daraus natürlich auch einen Input in Form steigender Besucherzahlen und Ticketverkäufe.
Im Fall der Berliner Philharmoniker könnte sich das dann beispielsweise auch bei den zumeist kostenpflichtigen Konzertbesuchen der hauseigenen „Digital Concert Hall“ bemerkbar machen. Dafür hat man jetzt nicht nur die Orchestergeschichte in attraktiven Häppchen aufbereitet. Neben einem virtuellen Rundgang durch den Konzertsaal kann man sich kostenfrei Konzert- und Probenmitschnitte u.a. mit dem scheidenden Chef Rattle und seinem Nachfolger Petrenko ansehen. Als weniger einladend entpuppt sich hingegen auf www.google.com/culturalinstitute/project/performing-arts der Rundgang durch die Staatsoper, die aktuell eine Baustelle ist.
Entschädigen können dafür immerhin all die anderen, die es in das „Cultural Institute“ geschafft haben und das laut Amit Sood ein Non-Profit-Projekt sein soll. Der Abstecher ins Pariser Théâtre des Champs-Elysées wird allein dank der historischen Konzertplakate zu einer Zeitreise in eine Epoche, als hier nicht nur Igor Strawinski auftrumpfte. Im Stradivari-Museum in Cremona erklingen die herrlichen Instrumente auch von Amati. Und per Gigapixel-Lupe kann man im französischen „Centre National du Costume de Scène“ sogar die sagenhaft faszinierende hohe Kunst chinesischer Kostümschneiderei mit ihren Seiden- und Metallfäden bewundern. Allein schon für diese Entdeckung hat sich ein Besuch im „Cultural Institute“ gelohnt.

Guido Fischer



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