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Donna Leon (c) Regine Mosiman/Diogenes Verlag

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Donna Leon, bekennender Händel-Maniac, sieht keinen Zusammenhang zwischen Barockopern und Kriminalromanen. „Ich mochte die Oper schon bevor ich mich für Kriminalromane zu interessieren begann“, sagte sie mir in einem Interview. Zwar sei es tatsächlich so, „dass die meisten Opern von Verbrechen handeln“. Das bedeute aber ebenso wenig, dass sie selber sich in der Oper vom Kriminalroman erholen wolle. „Ich mag es, meine Bücher zu schreiben. Und ich lebe in einem Land (in Italien, Anm. d. Red.), in dem es eine ganze Menge Verbrechen gibt. Da habe ich immer genug, worüber ich scheiben kann.“ Auf die Frage, welche der von ihr mitfinanzierten Händel- Gesamtaufnahmen die Besten seien, sagte sie: „Ich liebe besonders ‚Giulio Cesare in Egitto’ mit Marie-Nicole Lemieux und ebenso ‚Alcina’ mit Joyce DiDonato. Die sind sowieso meine Lieblingsopern.“
Das oberste Berufungsgericht von Ankara hat das Urteil gegen den türkischen Pianisten Fazıl Say aufgehoben. Say war im Jahr 2013 zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt worden, nachdem man ihm eine „Beleidigung des Islam“ in Internet-Beiträgen vorgeworfen hatte. Im Juli 2014 dispensierte ihn der Bürgermeister von Antalya als künstlerischen Leiter des dortigen Festivals. Das türkische Kulturministerium veranlasste im Oktober 2014, dass Kompositionen Says vom Programm des Präsidialen Sinfonieorchesters verschwinden. Gegen die Aufhebung des Urteils kann aber immer noch Berufung eingelegt werden.
Das beste Werk von Arnold Schönberg, so sagt man, war Alban Berg. Zwar gibt es in Wien längst ein Arnold Schönberg-Center. Jetzt erhält Alban Berg ein Denkmal neben der Wiener Staatsoper, direkt vor der Vorverkaufskasse. Geschaffen wird es von Wolf Prix vom Architekturbüro Coop Himmelb(l)au. Bezahlt hat es die Alban-Berg-Stiftung selbst. Dort, wo es stehen soll, steht es gut. Die letzte Premiere einer Berg-Oper an der Wiener Staatsoper liegt immerhin 15 Jahre zurück.
Der lettische Komponist Pēteris Vasks muss die Flöhe husten hören, um komponieren zu können. Im übertragenen Sinne! „Komponieren kann ich nur zuhause, wo ich die Vögel fliegen und die Blätter fallen sehe“, so Vasks. Der 69-Jährige, der zu den neutonalen Komponisten zählt und, wie er sagt, buchstäblich „in der Kirche aufgewachsen“ ist, sieht einen direkten Zusammenhang zwischen den harmonischen Verhältnissen in der Natur und der Musik. „Ich muss morgens im kalten Wasser schwimmen gehen, das ist mein Paradies.“ Dann klappe es auch mit dem Komponieren.
Die Krisen der Großen leset an den Kleinen ab! In New York hat nach der City Opera, der Gotham Chamber Opera, der Dicapo Opera und der Amato Opera jetzt noch ein weiteres Off-Opernhaus geschlossen. Die Opera Sacra in Buffalo (New York), gegründet vor 40 Jahren, kündigt ihr ‚Aus’ für November an. Damit bleibt fast nur noch der große, unbewegliche Tanker der Metropolitan Opera übrig.
Jürgen Flimm, Regisseur und Intendant der Berliner Staatsoper, hat seit seinem Schlaganfall 2013 – im Zug zwischen Hamburg und Berlin – sein Leben geändert. „Ich rauche nicht mehr“, sagte er dem Berliner „tip“. „Ich passe auf mit den Zuckersachen und habe abgenommen wie blöd’.“ Er könne von Glück sagen, dass seine Frau überhaupt realisiert habe, was los war. „Man merkt bei einem solchen Vorfall keinen Schmerz. Nur der Arm hängt runter. Danach fühlt man sich eingelullt in eine Wolke von Wohlgefühl. Das kann tödlich sein.“ Er habe sich nur zu seiner Frau umgedreht und gesagt: ‚Ich glaube, ich sterbe.‘ – „Dann kam Spandau.“

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 6 / 2015



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