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(c) Frauenkirche/Susann Hehnen

Dresdner Frauenkirche

Hort himmlischer Töne

Ein Gespräch mit Kantor Matthias Grünert zum 10-jährigen Jubiläum.

Eigentlich ist jedes Jahr für die Dresdner ein Jahr zum Feiern. Denn als vor zehn Jahren die aufgebaute Frauenkirche wieder ihre Pforten öffnete, hatte die Stadt damit endlich mehr als nur ein Wahrzeichen zurück, das im 2. Weltkrieg völlig zerstört worden war. Der Barockbau entwickelte sich sofort zum musikalischen Herzen der sächsischen Landeshauptstadt. Von Beginn an gastierten hier internationale Spitzensolisten, Ensembles und Orchester. Und für die tägliche musikalische Erbauung sorgen seit 2005 mit Organist Samuel Kummer und Kantor Matthias Grünert nicht nur zwei absolute Kenner ihres jeweiligen Fachs; gerade die beiden von Grünert aufgebauten Chöre gelten längst als kirchenmusikalische Botschafter der Frauenkirche. In diesem Jahr waren der Kammerchor sowie der rund 100-köpfige Chor natürlich wieder mächtig im Einsatz. So bestritt man die traditionellen Geistlichen Sonnbeziehungsweise Festtagsmusiken. Zum Anlass des 10-jährigen Bestehens der Frauenkirche selbst war man aber dann noch einmal besonders gefragt – wie bei den „Festtagen“ Ende Oktober, bei denen man sich mit Gratulanten wie Cellist Jan Vogler, Trompeter Ludwig Güttler und dem Moskauer Kathedralchor abwechselte. Und auch an die vorausgegangenen drei Jubiläumskonzerte mit seinen Ensembles denkt Matthias Grünert selig zurück: „Wuchtig kam Liszts Graner Messe mit dem Chor der Frauenkirche daher. Von herzzerreißender Schönheit ist mir die Marienvesper von Monteverdi mit dem Kammerchor der Frauenkirche in Erinnerung – und wunderschön lebensfroh war der Mozart-Abend mit dem ensemble frauenkirche.“
Aber Zeit zum Durchschnaufen hat Grünert wie überhaupt das gesamte Frauenkirchen- Team vorerst nicht. Zunächst kommt die Vorweihnachtszeit mit dem obligatorischen „Weihnachtsoratorium“ von Bach, gefolgt von Camille Saint-Saëns’ „Weihnachtsoratorium“ am 2. Weihnachtstag. Zudem lassen Gastspiele von Blockflötist Maurice Steger, Trompeten- Lady Tine Thing Helseth und dem Ensemble Amarcord die Geburtstagsfeierlichkeiten stilvoll ausklingen.
Erst Anfang Januar 2016 wird sich dann auch Matthias Grünert nach einer kurzen Pause neuen Aufgaben und Abenteuern widmen. Unter dem Motto „Elemente – Schöpfung – Welt“ finden dann mehr als 120 Konzerte im barocken Kuppelbau statt – wobei zu den illustren Gästen u. a. Anne-Sophie Mutter, Daniel Hope und Thomas Hampson gehören werden. Und am Jahrestag der Zerstörung Dresdens am 13. Februar wird die Motette „Vater, vergib“ uraufgeführt, die der gebürtige Nürnberger Matthias Grünert komponiert hat. Die Textgrundlage bildet das Versöhnungsgebet von Coventry, das jeden Freitag in der Frauenkirche gesprochen wird. Grünert: „Vielleicht greift die Vertonung auch meine Gedanken zu den beklemmenden Bildern und Worten auf, die sich Montag für Montag in Dresden breit machen wollen. In jedem Fall soll die Uraufführung einen Beitrag für ein reflektiertes Nachsinnen leisten. Und musikalisch eindrücklich soll die Motette sein, so viel sei verraten: Ein zusätzlicher Fernchor, in der Frauenkirche dann natürlich in der Kuppel positioniert, wird die siebenmal wiederkehrende Bitte ‚Vater, vergib‘ singen.“


www.frauenkirche-dresden.de


Guido Fischer, RONDO Ausgabe 6 / 2015



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