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SWRmusic Digital

Klangschätze auf einen Klick

Der SWR kann auf ein riesiges Musikarchiv stolz sein. Und dank dem Label „SWRmusic Digital“ sind nun bereits über 400 Aufnahmen online erhältlich – Tendenz steigend.

Als im ersten Nachkriegsjahr 1946 die ersten öffentlich-rechtlichen Rundfunksender ihren Betrieb aufnahmen, stand direkt die Hege und Pflege der klassischen Musik auf den Produktionsplänen. Und wie etwa die Sendeanstalten in Köln, Hamburg oder München nahmen der Stuttgarter SDR und der in Baden-Baden ansässige SWF ihren Bildungsauftrag umfassend wahr. Und auch im Kontakt mit bedeutendsten Solisten und Kammermusikformationen suchten sie, was selbst die noch so abseitigen Untiefen des Repertoires hergaben. Wer kennt schließlich schon die Werke etwa des österreichischen Schreker-Schülers Egon Kornauth oder des Amerikaners David Diamond, der bei Nadia Boulanger studiert hat? Oder Paul Dukas’ Klaviersonate? Und Hand aufs Herz: Wer hat wirklich schon jemals eines der Streichquartette von Busoni gehört? Auch solche Raritäten kommen jetzt peu à peu wieder ans Tageslicht. Teilweise sogar zum allerersten Mal. Denn der 1998 aus der Fusion des SDR mit dem SWF gegründete SWR hat es sich zur Aufgabe gemacht, das hauseigene Tonarchiv nicht nur zu sichten. Auf gleich zwei Labels bringt man inzwischen die wertvollen Klangkulturgüter heraus.
Beim Label „SWRmusic“, das es seit dem Jahr 2000 gibt, erscheinen auf CD historische Aufnahmen von legendären Interpreten, aber auch Neueinspielungen wie vom phänomenalen SWR Vokalensemble Stuttgart. Das 2012 gegründete Label „SWRmusic digital“ setzt hingegen ausschließlich auf Musikgeschichte zum Downloaden. Über 430 Einspielungen sind bisher in digitaler Form erschienen. Darunter finden sich zahlreiche Werke, die noch nie auf Tonträgern veröffentlicht wurden – wie beispielsweise ein vom Beaux Arts Trio aufgenommenes Klaviertrio vom oben erwähnten Amerikaner David Diamond. Monatlich kommen neue musikalische Leckerbissen à la Kornauth, Dukas & Co. hinzu. Wobei man nicht nur seiner musikalischen Neugier frönen kann, wenn man sich zum Beispiel Vierhändiges von Friedrich Nietzsche oder Zweihändiges von Aaron Copland mit Andor Foldes herunterlädt. Auch die Orchestersparte sowie die Wiederbegegnung mit eben namhaftesten Interpreten soll stetig ausgebaut werden. Bisher liegt bereits eine umfangreiche Werkschau des Sinfonikers Haydn vor, aufgenommen vom großen Ernest Bour, der von 1964 bis 1980 das SWF Sinfonieorchester Baden-Baden leitete. Und zu den kammermusikalischen Highlights zählen zweifellos die eindringlichen Einspielungen von Schostakowitsch-Quartetten mit dem Melos Quartett.
Solche Perlen wie überhaupt der gesamte Katalog von „SWRmusic Digital“ können natürlich nur über einen entsprechend vernetzten und versierten Vertriebspartner ihr größtmögliches Publikum erreichen. Diesen hat man jetzt mit dem weltweit größten Independent- Klassikvertrieb Naxos gefunden, der ebenfalls für den physischen Backkatalog von „SWRmusic“ zuständig ist. Und wer beim Stöbern im Digital-Archiv dann auch auf den Namen Ricardo Odnoposoff stoßen sollte, muss unbedingt zugreifen. Denn ob der heute nur noch Kennern geläufige Geiger und Carl Flesch-Schüler nun Villa-Lobos oder Ysaÿe spielt – in beiden Fällen trifft ein Lob zu, das David Oistrach einmal rückblickend über seinen Konkurrenten beim Brüsseler Ysaÿe-Wettbewerb geäußert hat: „Er spielte wunderbar.“

Reinhard Lemelle, RONDO Ausgabe 6 / 2015



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