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Erstmal nur einen Koffer in Berlin: Kirill Petrenko (c) Wilfried Hösl/Bayerische Staatsoper

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Zweispurig

„Ich fühle mich der Bayerischen Staatsoper, dem Staatsorchester und nicht zuletzt dem wunderbaren Münchner Publikum sehr verbunden. Mir persönlich ist es wichtig, in diesem Haus und mit diesem Orchester an einer kleinen, gemeinsamen Ära zu arbeiten.“ Mit diesen Worten hat sich einmal mehr der russische Erfolgsdirigent Kirill Petrenko zu seiner aktuellen Wirkungsstätte, zur Bayerischen Staatsoper bekannt. Und weil es momentan so ideal passt zwischen ihm und auch dem Intendanten Nikolaus Bachler, haben sie gerade ihre Verträge verlängert. Bachler bleibt bis August 2021. Petrenko wird dagegen bis August 2020 Generalmusikdirektor bleiben. 2020? Aufmerksame RONDO- und Feuilletonleser werden bei dieser Jahreszahl vielleicht stutzen: Müsste Petrenko da nicht schon längst fest im Sattel bei den Berliner Philharmonikern sitzen? Tut er auch. Nur unter eben erst neu ausgehandelten Bedingungen, die von den Philharmonikern zumindest öffentlich großherzig abgenickt worden sind.
Eigentlich sollte Petrenko den scheidenden Philharmoniker-Chef Rattle 2018 beerben. Doch nun sieht der Zeitplan folgendermaßen aus: nach einigen Konzerten als Gastdirigent in der Saison 2018/19 übernimmt Petrenko ab 2019 offiziell den Job als neuer philharmonischer Heiland. Aber auch in dieser Spielzeit wird er weiterhin nur sporadisch an der Spree zu erleben sein, da er ja noch einen GMD-Koffer in München hat. Bis 2020 wird das Temperamentsbündel so ständig zwischen beiden Musikmetropolen pendeln. Schließlich, so Staatsopern-Intendant Bachler, „haben wir noch viele Ideen und gemeinsame Projekte, auf die wir uns an diesem einzigartigen Haus zusammen mit allen Mitarbeitern freuen.“ Ähnlich euphorisch und voller Tatendrang waren zwar auch die Berliner Philharmoniker, als sie sich im Sommer im zweiten Anlauf für den russischen Triumphator Petrenko entschieden haben. Aber nun spielt dieses Weltklasse- und Traditionsorchester in Petrenkos Künstlerleben vorerst nur die zweite Geige. Und in der Konzertsaison 2018/19 steht man zudem ganz ohne Chefdirigent da. Ob man sich das wirklich so ausgemalt hat?

Guido Fischer



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