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Musik-Krimi

Folge 17: Der Killer im Opernhaus

Doktor Stradivari wollte sich gerade für den bevorstehenden Opernbesuch die Krawatte binden, als Kommissar Reuter bei ihm klingelte. „Es tut mir leid, aber ich brauche Ihre Hilfe“. Dr. Stradivari bat den Beamten herein. Während er sich in aller Ruhe vor dem Garderobenspiegel seinem Windsor-Knoten widmete, berichtete Reuter, worum es ging.
„Marco Jenning, ein Musiker, ist in Drogengeschäfte verstrickt. Einer der großen Bosse hat davon Wind bekommen und einen Killer auf ihn angesetzt. Wir brauchen Jenning als Zeugen, aber er ist verschwunden. Er spielt Aida-Trompete.“ „Das Instrument, das Giuseppe Verdi eigens für die Oper ‚Aida‘ bauen ließ“, sagte Dr. Stradivari. „Herrlich, dieser Triumphmarsch …“ „Jenning ist Spezialist dafür. Er spielt nichts anderes. Wenn der Killer weiß, wo er ist, wird er uns zuvorkommen.“
Stradivari betrachtete den perfekten Knoten. Dann zog er die Anzugjacke an, holte einen Kamm hervor und kämmte durch sein dichtes graues Haar. Der Kommissar seufzte und betrachtete die Eintrittskarte, die auf der Kommode lag. „Was kommt denn heute Abend in der Oper?“ Er las den Namen Lehár. „Leichte Muse muss auch mal sein“, sagte Dr. Stradivari und wandte sich ihm zu. „Es kann losgehen. Ich bin spät dran.“ „Aber Sie müssen mir helfen, Jenning zu finden. Es tut mir ja leid, dass Ihr Operettenabend ausfällt aber …“
„Sind Sie sicher, dass Jenning heute einen Auftritt hat?“ „Ja, das wissen wir von seiner Freundin. Sie konnte aber nicht sagen, wo. Es muss in der Nähe sein, denn er will nachts wieder nach Hause kommen.“ Er holte einen Papierstapel aus seiner Aktentasche. „Hier sind alle musikalischen Theateraufführungen der Region bis 250 Entfernung Kilometer aufgelistet.“ „Viele ‚Aida‘-Produktionen sind wohl nicht dabei.“ „Nur zwei. Und bei denen ist er nicht engagiert. Ich glaube, wir haben einen Fehler gemacht. Sicher gibt es auch ein Instrumentalwerk, in dem die Aida-Trompeten vorkommen. Vielleicht hat ein moderner Komponist etwas geschrieben. Und um die Sinfoniekonzerte haben wir uns gar nicht gekümmert.“ Doktor Stradivari hörte nicht zu, sondern las auf der Liste Komponistennamen: neben Verdi Mozart, Strauss, Puccini, Pfitzner und Korngold. „Die Sinfoniekonzerte durchzusehen, wäre ein Ansatzpunkt. Aber das dauert zu lange. Ich glaube, Sie sollten es woanders versuchen.“ Was meint Doktor Stradivari damit?

www.oliverbuslau.de

Doktor Stradivari ermittelt – und Sie können gewinnen!

Wenn Sie die Lösung wissen, schreiben Sie sie an stradivari@rondomagazin. de oder postalisch an RONDO, Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin – bitte auch Ihre Kontaktdaten nicht vergessen! Unter allen Zuschriften verlost RONDO in Kooperation mit Warner Classics fünf Exemplare der neuen Aufnahme von Verdis „Aida“, mit Jonas Kaufmann und Anja Harteros, es spielen Coro e Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia unter Antonio Pappano. Eine wahrhaft ägyptisch-luxuriöse Besetzung! Einsendeschluss ist der 30.Oktober. Viel Glück!


Auflösung aus Magazin 4/2015:

Als der Name von Dr. Robert Strohschläger fällt, wird Stradivari hellhörig. Nicht etwa, dass Strohschläger nicht über eine kriminelle Ader verfügte, schließlich hat er wegen Diebstahl gesessen. Aber den Mord wird er keinesfalls verübt haben. Als ausgewiesener Felix-Schumann-Experte dürfte er wissen – wie Stradivari übrigens auch –, dass Felix Schumann zwar in Neapel Besuch von Brahms bekam. Doch der sollte ihn überzeugen, aufgrund seiner sich verschlechternden Gesundheit zu seiner Mutter zurückzukehren: Sein Grab in Neapel zu suchen, wäre vertane Zeit, es befindet sich in Frankfurt am Main. Da Strohschläger also den dies behauptenden Brief von Brahms an Clara als unecht einstufen musste, wird er kaum Interesse entwickelt haben, Porti für eine Fälschung umzubringen – und dafür wieder hinter Gitter zu wandern, endgültig.


Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 5 / 2015



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