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Boulevard

Ein Schuss Jazz, eine Prise Film, ein Löffel Leichtigkeit: Bunte Klassik

Feinste Mischung von Klassik bis Jazz

Sie bringen den Marschschritt vom alten Radetzky gehörig durcheinander, lassen den fünften „Ungarischen Tanz“ von Brahms in wehmütigen Zimbalklängen baden und lauschen der Klavierfantasie d-Moll von Wolfgang Amadeus Mozart hocherotische Tango-Rhythmen ab. Das Quartett „Passo Avanti“ brilliert mit großer musikalischer Fantasie und Können. Der Albumname „Finest Blend“ („feinste Mischung“) dürfte sich dabei nicht nur auf das raffinierte Zusammenspiel verschiedener Stilrichtungen von Klassik bis Jazz beziehen, sondern auch auf die gekonnten Farbkombinationen mit Violine, Cello, Klarinette (bzw. Flöte) und Gitarre.

Finest Blend

Passo Avanti

GLM/Soulfood

Neues vom „Jahreszeiten-König“

Vivaldis „Vier Jahreszeiten” verfolgen den Geiger Nigel Kennedy seit 1989 – oder verfolgt er vielmehr sie? Damals legte er seine Einspielung des Konzertzyklus vor, die zu den erfolgreichsten Klassik-Alben überhaupt wurde und Kennedy zum „Jahreszeiten-König“ machte. Später folgte eine zweite Aufnahme – natürlich flankiert von unzähligen Livekonzerten. Was Kennedy nun als „The New Four Seasons“ vorlegt, schießt weit über den Notentext hinaus: Es ist ein Konzeptalbum, aufgebaut aus Klangcollagen aus vielen Stilen wie Elektronik, Swing oder Ethno, bei denen Vivaldis Passagen wie hinter einem Schleier mal mehr mal weniger deutlich sichtbar werden.

The New Four Seasons

Nigel Kennedy, Orchestra of Life

Sony

Tango und mehr zwischen den Kontinenten

Im letzten Jahr erlebte man die französische Sängerin Agnès Jaoui als Partnerin auf Natalie Dessays Album „Rio Paris“ – Ende Oktober legt sie ein Solo mit musikalischen Brücken zwischen Argentinien und Spanien vor. Die nicht nur in der Musik, sondern auch als Schauspielerin, Autorin und (Oscar-nominierte) Regisseurin tätige Jaoui ließ sich von einem Kubabesuch dazu anregen, musikalischen Gemeinsamkeiten zwischen Lateinamerika und Südeuropa nachzuspüren – und arbeitete dafür mit dem Arrangeur Fernando Fiszbein zusammen, einem alten Weggefährten des großen Astor Piazzolla.

Nostalgias

Agnès Jaoui, El Quintet Oficial

Erato/Warner

Cole Porters Hollywood Sound

Das britische John Wilson Orchestra steht für eine ganze musikalische Ära, nämlich für den Sound der großen Hollywood-Filmmusicals. Mit viel Akribie hat Wilson an der Seite versierter Arrangeure die meist verschollenen Partituren durch pures „Nachhören“ rekonstruiert und mitreißend eingespielt. Das neue Album strotzt wieder geradezu vor gleißender Showatmosphäre und ist dem legendären Evergreen-Meister Cole Porter gewidmet – mit Auszügen aus „Silk Stockings“, „Kiss me, Kate“, „High Society“ und vielem mehr.

Cole Porter in Hollywood

The John Wilson Orchestra

Warner

Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 5 / 2015



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