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Schätze für den Plattenschrank

Marcel Le Grand

Von seinem Lehrer Charles-Marie Widor hatte Marcel Dupré 1934 das Organistenamt an der Pariser Kirche Saint- Sulpice übernommen. Außerdem verdankte er ihm die Liebe zu Bach. Und 1921 erreichte Dupré gar die Einladung aus der Neuen Welt, zwei riesige Orgeln zu spielen, die der Geschäftsmann und Musikliebhaber Rodman Wanamaker in seine Kaufhaus-Kathedralen in Philadelphia und New York hatte bauen lassen. Als der Franzose sein Debüt an der damals weltweit größten Orgel bei Wanamakers in Philadelphia gab, kamen mehrere tausend Zuhörer. In die USA reiste der von seinem Schüler Olivier Messiaen als „vielleicht größter Virtuose aller Zeiten“ bezeichnete Monsieur immer wieder, um auch vor die Mikrofone des amerikanischen Mercury-Labels zu treten. In der Box mit sämtlichen Aufnahmen, die Dupré zwischen 1957 und 1965 für dieses in Sachen Klangqualität federführende Label gemacht hat, finden sich etwa seine Gastspiele an der New Yorker St. Thomas Church sowie im Detroiter „Ford Auditorium“ mit einer imposanten Darbietung von Saint-Saëns’ Orgelsinfonie. Aber die Mercury-Toningenieure reisten auch immer wieder nach Paris und Rouen, um die atmende und gestalterische Meisterschaft des bereits hochbetagten Organisten an den Cavaillé-Coll-Orgeln zu dokumentieren. Und ob es nun Werke von Bach, Franck, Messiaen oder von Dupré selber waren – auch ein halbes Jahrhundert nach diesen Einspielungen fühlt man sich im 7. Orgelhimmel. Das beiliegende Booklet lässt darüber hinaus keine Wünsche offen, was Werkbeschreibungen, biografische Angaben und Orgelprofile angeht.

Marcel Dupré: The Mercury Living Presence Recordings (10 CDs)

Mercury/Universal

Guido Fischer, RONDO Ausgabe 5 / 2015



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