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Schätze für den Plattenschrank

Es lebe der König!

Am 1. September 1715, Punkt 8.15 Uhr, schloss der hochverschuldete, von seinen Leibärzten zu Grunde gerichtete Sonnenkönig in Versailles seine Augen, vor genau 300 Jahren. Doch sein Lebensstil, sein sich in Architektur, Gartenkunst und nicht zuletzt in der Musik widerspiegelnder Geschmack scheinen mehr denn je en vogue zu sein. So haben etwa die lange als stocksteif verschrienen Opern seines musikalischen Schlosschefs Jean-Baptiste Lully längst genaugenauso eine Renaissance erlebt wie die weltlichen und geistlichen Meisterwerke von Charpentier bis Marin Marais, von Campra bis Couperin und Delalande. Diese musikalischen Prachtkerle und treuen Diener waren es denn auch, die ab 1682, nach dem Umzug des Hofstaats aus dem zugigen Pariser Louvre aufs Land den Versailler Sound mitbestimmten. Und weil das französische Label harmonia mundi schon immer viel früher als viele andere sich für das klangvolle Patrimoine mit exquisitesten Einspielungen eingesetzt hat, kann man jetzt anlässlich des 300. Todestages von Louis XIV mit einer Box aufwarten, die nur Aufnahmen von langlebigem Wert umfasst. Dazu gehören die Gesamtaufnahme von Lullys Oper „Armide“ mit Philippe Herreweghe, die prunkvollen und kirchlichen Festmusiken von Charpentier mit Les Arts Florissants, Unterhaltsames für den begeisterten und vor allem hochtalentierten Tänzer Louis, sowie kammermusikalische Feinkost für Gamben, Lauten und Cembali (u. a. mit Christophe Rousset). Und als absolutes Sahnehäubchen gilt William Christies Einspielung von Charpentiers musikalischer Komödie „Le malade imaginaire“, mit der der amerikanische Wahl-Franzose 1990 die Musikwelt mit einer etwas anderen Seite der französischen Barockmusik bekannt gemacht hatte – und zum Lachen gebracht hatte.

Les menus plaisirs Louis XIV de Paris à Versailles (10 CDs)

harmonia mundi

Guido Fischer, RONDO Ausgabe 5 / 2015



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