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Gipserne Griechenprinzessin: Strauss`»Ariadne auf Naxos«

Baden-Baden, Festspielhaus

Eine ernste Oper, eingeklemmt zwischen Galadinner und Feuerwerk als nebenbei genossenes Neureichen-Plaisir, von diesen »bestellt, bezahlt« und nunmehr ihnen »serviert«: »Ariadne auf Naxos« im pompösen Festspielhaus der Russen- und Kurmetropole Baden-Baden – mit einer glamourösen Diva in der Titelrolle und einem Superstar-Maestro am Pult, beide in diesem Werk debütierend. Diese »Ariadne« war nicht ganz, was die Summe ihrer Einzelteile versprochen hätte. Die Griechenprinzessin bleibt gipsern und rührt nicht. Was vor allem an dem banalen szenischen Arrangement Philippe Arlauds lag. Das gab sich geschmacksneutral zwischen weißen Wellpappen und Stufen, bewegte seine Protagonisten wie isolierte Versatzstücke. Das Vorspiel wurde so zu einer langweiligen Ansammlung alter Theaterwitze, in der außer der bewährten Charge Eike Wilm Schulte als Musiklehrer keiner recht bei sich war, auch nicht der schnöselige Haushofmeister René Kollos. Sophie Koch als idealistisch für seine Kunstmission brennender Komponist sang viele gepresste, nur mit Mühe erreichte Töne. Und Renée Fleming, sicherlich die beste, edelstimmigste Strauss-Sängerin der vergangenen 20 Jahre, schien in der neuen Rolle noch nicht wirklich zu Hause. Wenn sie dann zwar freilich nicht dem von Zerbinetta besungenen »neuen Gott« begegnete, doch einem sich achtbar in die zwickenden Tenorhöhen des Bacchus vorarbeitenden Robert Dean Smith, dann schien Strauss-Schimmer auf, versilberte sie das nicht enden wollende Duettfinale. Die Dresdner Staatskapelle beherrscht das Werk im Traum. Die »Ariadne« ist Christian Thielemann nahe, wenn sie walzerselig und robust wird, wenn das kleine Orchester Laut gibt. Doch das zärtliche Wellengekräusel, das Kunstdiskurs und Opera-seria- Attitüde vereint, könnte noch sinnstiftender moussieren. Besonders zu leiden unter dem autoritären Zeigeführer hatte die gar nicht koloraturgiggelnde Zerbinetta Jane Archibalds, die in anderen Produktionen längst quecksilber-flittrige Individualität entwickelt hat.

Matthias Siehler, RONDO Ausgabe 2 / 2012



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