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Abschied aus Leipzig: Riccardo Chailly (c) Gert Mothes/Decca

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Wieder ein Maestro gesucht…

Die Spatzen haben es schon vor Monaten vom Leipziger Gewandhausdach gepfiffen, dass Riccardo Chailly wahrscheinlich 2018 und damit zwei Jahre vor offiziellem Vertragsende seinen Job beim Leipziger Gewandhausorchester an den Nagel hängen würde. Doch jetzt geht diese seit 2005 bestehende Musikerehe noch früher auseinander. So wird der italienische Kapellmeister im Juni 2016 seinen Hut nehmen – um sich wohl noch intensiver seinen beiden weiteren Hauptaufgaben zu widmen. Seit Anfang des Jahres ist Chailly Musikalischer Direktor der Mailänder Scala. 2016 übernimmt er außerdem als neuer Chefdirigent das Lucerne Festival Orchestra. So weit die Zukunftspläne Chaillys. Und zum überraschenden Abschied haben sich bereits so manch Leipziger Verantwortliche zu Wort gemeldet. OB Burkhard Jung erinnert an „die internationale Strahlkraft, die Chailly mit dem Gewandhausorchester entwickelt hat.“ Tobias Haupt, Vorsitzender des Orchestervorstandes, sagte: „Wir schätzen seine beispielhafte Ernsthaftigkeit in der Erarbeitung, die Präzision in der Gestaltung und sein untrügliches Gespür für die inneren Zusammenhänge der Musik.“ Und laut dem Gewandhausdirektor Andreas Schulz ist es Chailly zu verdanken, „dass das Gewandhausorchester seine Spitzenposition unter den Weltklasseorchestern behauptet hat, sein internationales Renommee auf beeindruckende Weise ausbauen und seinen Ruf als Uraufführungsorchester wiedererlangen konnte.“
So weit die eher nüchtern bilanzierenden Abschiedgrüße. Dennoch attestierten nicht nur kritische Beobachter Chailly in den vergangenen Monaten eine gewisse Leipzig-Müdigkeit. So mussten Konzerte, die eigentlich zur Chefsache erklärt worden sind, kurzerhand von einem Ersatzmann dirigiert werden. Für die letzte gemeinsame Runde wird man aber sicherlich noch einmal alles aus sich herausholen – bevor Chailly im Rahmen des Leipziger Bachfestes mit der „Matthäus-Passion“ seine letzte Saison ausklingen lassen wird.
Und was bzw. wer kommt danach? Mit dieser Frage hat man sich erst jüngst, im Fall der Nachfolge-Beratungen bei den Berliner Philharmonikern reichlich beschäftigt. Es bleibt kein ganzes Jahr bis zur Chailly-Nachfolge, die Leipziger haben aber eilfertig verkündet, bereits nächste Woche ihren Kandidaten zu küren, das wäre eine Sensation. Zumindest zwei interessante Kandidaten bieten sich derzeit ab 2017 an: Der aktuelle Chef der New Yorker Philharmoniker, Alan Gilbert, wäre zu Beginn der 2017-Saison frei. Und wenngleich Marc Minkowski im nächsten Jahr erst einmal die Oper in Bordeaux übernimmt, wäre es endlich an der Zeit, diesen in Leipzig hochgeschätzten Musiker fest an ein solches Top- und Traditionsorchester zu binden.

Guido Fischer



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