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Musik-Krimi

Folge 16: Ein Liebesbrief von Brahms

Kriminalkommissar Reuter wirkte nervös. „Wir haben zwei Verdächtige. Nur einer kommt in Frage. Die Zeit rennt uns davon …“ „Was ist denn passiert?“, fragte Dr. Stradivari.
„Mario Porti wurde ermordet. Ein reicher Italiener. Er besaß einen bisher unbekannten Brief des Komponisten Johannes Brahms an Clara Schumann. Das Schriftstück wurde aus Portis Hotelzimmer gestohlen. Porti hat den Dieb wohl erwischt und wurde erschlagen.“
Der Kommissar las aus einer Akte ab. „Vorgestern erklärte Porti der Presse, in dem Brief, der in seinem Familienarchiv aufgetaucht sei, habe Brahms seine Liebe zu Clara Schumann gestanden und erwähnt, dass eines von Robert Schumanns Kindern in Wirklichkeit von ihm war.“
Stradivari kannte natürlich die Gerüchte um eine Liebesgeschichte zwischen Brahms und Robert Schumanns Frau. „Es wird gelegentlich behauptet, der offizielle Schumann-Sohn Felix sei von Brahms gewesen“, erklärte er. „Wenn man dafür einen Beweis hätte, wäre das eine Sensation – und der Brief entsprechend wertvoll. Weiß man denn, auf welchen Wegen er in den Besitz der Porti-Familie gelangte?“
„Felix Schumann, der mit nur 24 Jahren starb, war mit einem Vorfahren von Porti befreundet, der den Brief dann erbte. Brahms hat Felix Schumann im Jahr vor dessen Tod noch in Neapel besucht. Vielleicht hatte er den Brief von Clara zurückbekommen und ihn Felix Schumann gegeben. Porti hat sich gestern mit Dr. Robert Strohschläger getroffen und ihm das alles genau dargelegt. Er sagte, er habe angeblich sogar Hinweise auf Felix Schumanns Grab in Neapel gefunden, dessen genaue Lage nicht mehr bekannt sei.“ „Strohschläger?“, unterbrach Stradivari. „Der Musikprofessor, der wegen Diebstahls im Gefängnis saß? Der Mann, der jahrelang über Schumanns Familie geforscht hat und dann kriminell wurde? Ich kenne ihn. Ich habe einmal einen Vortrag von ihm über Brahms’ Treffen mit Felix Schumann in Neapel gehört. Es fand 1878 statt.“
Reuter nickte. „Es gibt wohl wenige Musikwissenschaftler mit krimineller Laufbahn. Er ist der eine Verdächtige. Der andere ist der Profi-Dieb Edwin Kedowsky. Wir haben einen Tipp bekommen, dass er in dem Hotel, in dem Porti wohnte, auf Beutezug gehen wollte. Ich muss dem Richter aber einen einzigen Verdächtigen präsentieren, sonst erhalte ich keinen Durchsuchungsbeschluss, mit dem wir den Brief und damit den Schuldigen finden können. Falls uns das überhaupt noch gelingt.“ „Kedowsky ist Ihr Mann“, sagte Dr. Stradivari. „Der Brief ist nicht so interessant. Wahrscheinlich ist er gefälscht.“
Wie kommt Doktor Stradivari darauf?

www.oliverbuslau.de

Doktor Stradivari ermittelt – und Sie können gewinnen!

Wenn Sie die Lösung wissen, schreiben Sie sie an stradivari@ rondomagazin.de oder postalisch an RONDO, Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin – bitte auch Ihre Kontaktdaten nicht vergessen! Unter allen Zuschriften verlost RONDO in Kooperation mit EDEL Kultur fünf Exemplare des neuen Konzeptalbums der Pianistin Ragna Schirmer: „Liebe in Variationen“ geht – auf einem Blüthner-Flügel von 1856 gespielt! – der produktiven Seite im Dreiecksverhältnis von Johannes Brahms, Robert und Clara Schumann nach, wie es sich in einander gewidmeten Variationszyklen über Themen der jeweils anderen niedergeschlagen hat. Einsendeschluss ist der 28. September. Viel Glück!


Auflösung aus Magazin 3/2015:

Denkbar, dass Viktor Stein es darauf abgesehen hat, Blankmann aus dem Weg zu räumen. Undenkbar ist jedoch, dass Stein an dem Umschlag vorbeigekommen sein soll, ohne ihn aus Neugier zu öffnen (denn das macht erst Dr. Stradivari). Die Aufschrift verspricht nämlich eine Sensation für jeden Hornisten: Der möglicherweise verschollene langsame Satz würde die Einzelsätze KV 370b und 371 zu einem vollständigen fünften Hornkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart ergänzen. Gut möglich ist es, dass ein Hornist für diese Handschrift töten würde – unwahrscheinlich aber, dass er den Umschlag ungeöffnet liegen lässt, ohne wenigstens den Inhalt zu sichten.


Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 4 / 2015



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