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Hätte zumindest das Orchester hinter sich: Jun Märkl (c) Jean-Baptiste Millot/junmarkl.com

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Rheinische Farce

Da hätte es die alte der heutigen Bundeshauptstadt mal zeigen können, wie man die Wahl eines Chefdirigenten kurz und schmerzlos über die Bühne bringt. Denn im Gegensatz zum mehrstimmigen Meinungschor bei den Berliner Philharmonikern, der die ersehnte Ernennung eines Rattle-Nachfolgers auf unbestimmte Zeit verschoben hat, war das Bonner Beethoven Orchester sich nach Probedirigaten zu fast 100 Prozent einig: der deutsch-japanische Dirigent Jun Märkl soll 2016 das Amt vom scheidenden GMD Stefan Blunier übernehmen. Eigentlich – so würde nicht nur der musikliebende Otto-Normalbürger denken – wäre nun alles geritzt. Wenn diejenigen, die fast täglich mit einem Dirigenten zusammenarbeiten müssen, sich eine vielversprechende Zukunft mit ihrem Favoriten vorstellen können, müssten nur noch die nötigen Verträge aufgesetzt werden.
Doch Sachverstand ist eben das eine und Kulturpolitik das andere. Denn tatsächlich zählt für die Stadt Bonn nicht die Meinung ihres Orchesters, sondern die einer extra eingesetzten, dreiköpfigen Findungskommission. Und diese hat sich mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit gerade für einen anderen Kandidaten entschieden. Wäre es nach der Intendantin des Beethovenfestes, Nike Wagner, und dem Generalintendanten des Bonner Theaters, Bernhard Helmich, gegangen, hätte der Franzose Marc Piollet den Job bekommen. Zumal Bonns Kulturdezernent Martin Schumacher klar gemacht hatte, dass er Piollet gegen den erklärten Willen des Orchesters durchsetzen würde. Nur Dirigent Peter Gülke, Dritter in der Findungskommission, hatte sich als Praktiker aus eigener Erfahrung für Märkl entschieden.
Jetzt ist dieses merkwürdige Prozedere ans Tageslicht bzw. in die Medien gekommen – was Martin Schumacher empört. Immerhin eines wurde mit der öffentlichen Diskussion erreicht: Marc Piollet hat seine Bewerbung zurückgezogen, da er erkennen musste, dass sich eine harmonische Zusammenarbeit mit dem Orchester wohl eher schwierig gestaltet hätte. Und wie fällt die Reaktion der Stadt aus? Statt in sich zu gehen und den Fehler mit der Findungskommission einzugestehen, hat sie kurzerhand die Suche nach einem neuen GMD ausgesetzt. Hoffentlich lässt sich Jun Märkl davon bloß nicht beeindrucken.

Reinhard Lemelle



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