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Doktor Stradivari

Folge 15: Blankmanns Ende

Als Doktor Stradivari vor dem Haus des ermordeten Hornisten Alfons Blankmann aus dem Wagen stieg, kam ihm Kriminalkommissar Reuter schon ungeduldig entgegengelaufen. „Gut, dass Sie da sind“, sagte er. „Es geht mal wieder um eine knifflige musikalische Sache.“ Er führte den Doktor in das Musikzimmer – einen hohen getäfelten Raum, in dem mehrere Hörner auf einem tiefen Regalbrett lagerten. Außerdem gab es Stapel von Noten, einen Flügel, ein Pult und viele CDs. Auf einem Schreibtisch an der Seite lag ein verschlossener großer Umschlag. Darauf stand handschriftlich: Mozart, Hornkonzert KV 371, Andante.
„Herr Blankmann wurde erschlagen, während er hier am Schreibtisch saß“, erklärte Reuter. „Die Leiche haben wir schon abtransportiert. Ansonsten haben wir alles genau so gelassen, wie es war.“ „Gibt es Verdächtige?“, fragte der Doktor. „Gleich zwei. Zum einen könnte es der Ehemann einer jungen Konzertmeisterin gewesen sein, mit der Blankmann nachweislich ein Verhältnis hatte. Zum anderen Viktor Stein, ein beruflicher Konkurrent von Blankmann. Beide haben ein Motiv, aber kein Alibi.“
„Ich kenne Viktor Stein“, sagte Stradivari, während er durch den Raum ging und sich Einzelheiten ansah. „Stein ist ebenfalls Hornist. Er und Blankmann versuchen sich seit Jahren in der Gunst des Publikums zu übertreffen. Jeder der beiden wäre froh, wenn der andere seine Laufbahn aufgeben würde – oder tot wäre.“ „Und das hat Stein nun erreicht. Ich denke, dass er der Täter war. Angeblich hat die Konzertmeisterin, mit der Blankmann ein Verhältnis hatte, regelmäßig Affären. Ihr Mann ist sicher schon daran gewöhnt und würde wohl gar nicht so brutal reagieren.“ „Darf ich diesen Umschlag öffnen?“, fragte Stradivari und deutete auf den Schreibtisch.
Reuter erlaubte es. Der Doktor riss das Papier auf. Im Inneren des Kuverts befanden sich Noten. Es war die Kopie einer Mozart- Handschrift. Der langsame Satz aus einem seiner Hornkonzerte. Der Doktor konnte eine Notiz des Komponisten am Rand lesen: „Für Leitgeb“.
„Ich habe schon etwas über klassische Musik gelernt“, sagte Reuter stolz. „Ist dieser Joseph Leitgeb oder Leutgeb nicht der Hornist, für den Mozart so viel geschrieben hat? Wie man sieht, hat Blankmann genaue Quellenstudien betrieben.“ Er zeigte auf den Stempel des Archivs in Prag, von dem sich Blankmann die Kopie wohl hatte schicken lassen. Stradivari legte die Blätter wieder auf den Tisch. „Sie haben recht“, sagte er dann. „Aber so weit ich die Indizien überblicke, hat Viktor Stein Blankmann bestimmt nicht auf dem Gewissen.“
Wie kommt Doktor Stradivari darauf?

www.oliverbuslau.de

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Auflösung aus Magazin 2/2015:

Dr. Stradivari kommt auf die Fährte der Schwindlerin Bea Berger mit einfachem Kopfrechnen. Sie gibt an, dass ihre Mutter bis zur Geburt des Bruders, also vor vierzig Jahren, bei den Berliner Philharmonikern am Pult der Zweiten Violinen gespielt habe. Das kann nicht sein, da diese erstmals 1982 eine Frau in ihren Reihen aufnahmen. Das war übrigens nicht Sabine Meyer, sondern – die völlig anstandslos gewählte Violinistin Madeleine Carruzzo.


Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 3 / 2015



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