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Am 11. Mai hat das Spekulieren ein Ende: Wer beerbt Simon Rattle? (c) Warner Classics/Sheila Rock

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Der Countdown läuft

Wenn es nach Volkes Stimme gehen würde, hätte Berlin ein heißdiskutiertes Problem weniger. So wurde gerade das Ergebnis einer Umfrage nicht etwa zum Flughafen-Bau vorgelegt, sondern zur Nachfolge von Simon Rattle. Und wenngleich die von der Berliner Morgenpost und dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) erhobenen Zahlen nicht repräsentativ sind, hat zumindest ein kleiner Teil der Berliner Konzertgänger einen absoluten Favoriten für das 2018 neu zu besetzende Amt des Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker. Mit satten 448 und damit fast doppelt so viel Stimmen wie der Zweitplatzierte Gustavo Dudamel hat der Lette Andris Nelsons sich die Favoritenkrone geholt. Aber der Mann von der Straße hat natürlich genauso wenig Einfluss auf die Entscheidung am 11. Mai wie die vielen, die sich mittlerweile gefühlt seit einer halben Ewigkeit auf den Feuilletonseiten mit dem Thema beschäftigen. Und je näher der Termin kommt, an dem die 127 Philharmoniker in geheimer Wahl über ihre eigene Zukunft entscheiden, desto intensiver werden die Kandidaten auf ihre entsprechende Eignung hin abgeklopft.
Wengleich niemand der möglichen Aspiranten im Vorfeld weiß, ob und wo er auf der Wunschliste steht, so ist doch ein Name schon jetzt aus dem Rennen. Der im MoPo/rbb-Ranking auf Platz Vier gelandete Daniel Barenboim hat gerade verkündet, dass er für den Job nicht zur Verfügung stehen würde. Eine weise Entscheidung. Denn wenn man die vom philharmonischen Medienvorstand Olaf Maninger formulierte Arbeitsplatzbeschreibung zum Maßstab nimmt, wäre der große Routinier Barenboim wohl kaum geeignet. „Der Neue muss Energie ins Orchester bringen. Das sei Aufgabe genug“, so Maninger im Rahmen einer Pressekonferenz, auf der Simon Rattle gerade das Programm für die kommende Konzertsaison vorgestellt hat.
Wer wäre aber denn nun Garant für die gewünschten Energieschübe und Frischzellenkuren? Der immer wieder genannte Gustavo Dudamel hat gerade erst seinen Vertrag bei der L.A.Philharmonic bis 2021 verlängert. Und auch der Franko-Kanadier Yannick Nézet-Séguin sitzt aktuell genauso in den USA, beim Philadelphia Orchestra, fest im Sattel wie Nelsons beim Boston Symphony Orchestra. Allerhöchsten Attraktionswert gerade für die internationalen Fans der Berliner Philharmoniker hätte sicherlich die Verpflichtung von Christian Thielemann. Wenn es aber ums Grundsätzliche geht, um ansteckendes Feuer, großen Sachverstand und eine musikalisch breite Bildung geht, die neben Sinfonik und Oper auch die Alte und Neue Musik umfasst, kann es eigentlich nur einen geben. Es ist der Spanier Pablo Heras-Casado.



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