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Die Welt ist eine Scheibe: Vinylfans können sich freuen (c) Hubert Berberich/wikimedia

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Von wegen: Auslaufmodell

Einmal im Jahr, an jedem dritten Samstag im April, rückt weltweit die Schallplattengemeinde besonders eng zusammen. Am sogenannten „Record Store Day“ werden rund um den Globus in den Schallplattenläden kleine Konzerte veranstaltet – und vor allem Vinyl-Scheiben in Kleinstauflage angeboten, die extra für diesen Tag gepresst worden sind. Der „Record Store Day 2015“ ist schon wieder Geschichte. Doch die Zukunft der immer wieder für tot erklärten schwarzen Scheibe scheint rosiger denn je, wie auch der Geschäftsführer der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) gerade bestätigt hat: „Fast 70 Jahre nach ihrer Erfindung erlebt die Vinyl-Schallplatte einen zweiten Frühling“, so Mathias Giloth, der diese These mit Zahlen untermauern konnte, die zusammen mit dem Bundesverband Musikindustrie (BVMI) erhoben worden sind. So gingen 2014 offiziell 1,8 Millionen brandneue Vinyl-Alben über die Ladentheke und damit so viele seit 1992 nicht mehr. Zum Vergleich: 2006 hatte man gerade einmal 300.000 Exemplare verkauft. „Das Thema Vinyl bleibt sehr spannend, gerade in einer digital so dynamischen Zeit“, meint BVMI-Geschäftsführer Florian Drücke, der mit seinen Kollegen sogar darüber nachdenkt, ob man angesichts der Entwicklung nicht wieder reguläre Vinyl-Charts einführen sollte. So überraschend und erfreulich diese Renaissance des schwarzen Vinyl-Goldes aber auch sein mag – auf eine aktuell ungewöhnliche Entwicklung weist zumindest eine Top 20-Liste der in 2014 verkauften Schallplatten hin. Darunter finden sich ausschließlich Rock- und Jazz-Scheiben u.a. von Pink Floyd und Diana Krall, aber überhaupt keine Klassik. Sollten Klassikhörer wirklich nur noch digital unterwegs sein?

Guido Fischer



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